Pössl goes Wolfenbüttel Schloss

WOLFENBÜTTEL – UNVERHOFFT KOMMT OFT ODER SO ÄHNLICH

Was passiert, wenn man mit dem Wohnmobil auf dem Parkplatz am „Freibad Raffteich“ in Braunschweig steht und bei Google Maps nach naheliegenden Sehenswürdigkeiten Ausschau hält?

Man erhält nicht nur den Tipp sich das Schloss, die Altstadt und das Rathaus in Braunschweig anzuschauen, sondern auch „Klein Venedig“ in Wolfenbüttel.

 

„Das liest sich doch interessant…!“ denke ich so bei mir und nach kurzer Überlegung fahren wir am Sonntagmorgen von Braunschweig weiter nach Wolfenbüttel.

Habt ihr uns gestern durch Braunschweig begleitet? Besten Dank für Euer Interesse! Wie versprochen folgt hier direkt und zeitnah unsere Stippvisite durch den Nachbarort Wolfenbüttel.

 

KLEIN VENDIG IN WOLFENBÜTTEL

 

Warum Stippvisite? Ganz einfach, denn a) wollten wir eigentlich auf der Heimfahrt als Venedig Fans nur kurz die Venedig Alternative „Klein Venedig“ in Wolfenbüttel anschauen und b) hat diese schöne Stadt so viel zu bieten, dass „mal eben zwei Stunden durch Wolfenbüttel“ im Grunde einer Frechheit gleichkommt. Genug der Worte lassen wir Bilder folgen…

 

Um kurz vor elf parken wir den Pössl in einer ruhigen Seitenstraße und laufen zur kleinen Schwester der italienischen Lagunenstadt.

Im 16. Jahrhundert durchzog ein umfangreiches Grachtensystem, erbaut von holländischen Städtebauern, das Stadtgebiet.

Der bis heute erhaltene Rest ist, auch dank des wunderschönen Blumenschmucks, eines der beliebtesten Fotomotive in Wolfenbüttel und offensichtlich Treffpunkt der Verliebten.

 

Am Geländer der Okerbrücke „Schiffwall/Stobenstraße“ hängen unzählige große und kleine Schlösser. Graviert mit Namen und Datum, sollen sie an vergangene Zeiten und ewige Liebe erinnern.

Wer allerdings ein Grachtensystem wie in Amsterdam, Venedig oder Giethoorn erwartet wird vergeblich suchen. Diese Brücke und die auf den Bildern eingefangene Aussicht stellt das besagte „Klein Venedig“ dar.

 

 

Wer eine wirklich täuschend echte Venedig Kopie sehen möchte sollte das Hotel Venetian in Las Vegas besuchen. Dort gibt es in den Kanälen sogar die berühmten Gondeln – in der 2. Etage des dazugehörigen Kaufhauses. Dort waren wir im letzten Jahr mehr als erstaunt und begeistert.

 

WÖLFE IN WOLFENBÜTTEL?

 

Obwohl der erste Teil des Ortsnamens auf Wölfe hinweist hat die Kreisstadt an der Oker damit nichts gemein. Die vermuteten Ursprünge Wolfenbüttels sind ungefähr im 10. Jahrhundert zu finden, als sich ein Siedler namens Wulferus an einer Furt in den sumpfigen Okerauen niedergelassen haben soll.

Diese Überquerungsmöglichkeit über die Oker zog die ersten Siedler an. An der Handels- und Heerstraße zwischen Rhein und Elbe entstand die Siedlung Wulferisbuttle.
RATHAUS, HERZOG AUGUST DENKMAL UND WUNDERSCHÖNE FACHWERKHÄUSER

 

Wir setzen unseren Spaziergang fort und erreichen den großen und erfreulich leeren Stadtmarkt. Umgeben von wunderschönen Fachwerkhäusern steht dort das Herzog August Denkmal aus dem Jahre 1904.

 

Es erinnert an Herzog August den Jüngeren (1579-1666), der erst 1643, acht Jahre nach seinem Regierungsantritt, in Wolfenbüttel einziehen konnte.

 

Nach der während des Dreißigjährigen Krieges beendeten, schwedischen Belagerung von Wolfenbüttel begann unter seiner Regentschaft eine lange Friedenszeit. Der Wiederaufbau der Stadt, die Entwicklung der Bibliothek und vielfältige Reformen prägten seine Regierungszeit.

 

 

Am 3. November 1602 erwarb der Heinrichstädtische Rat für 3000 Thaler das erst 1599 von dem Fernhändler Nicolaus Bauermeister erbaute Wohnhaus mit Weinschenke am Stadtmarkt als dauerhafte Heimstätte. So konnte das Wolfenbütteler Rathaus am 3. November 2002 seinen 400. Geburtstag feiern.

 

 

Sind euch die wunderschönen Laternen aufgefallen. In Wolfenbüttel gibt es reichlich schöne Exemplare. Ich habe gleich ein paar neue Motive für den #laternenmittwoch auf Instagram eingefangen.

 

Der Blick auf das Kopfsteinpflaster lohnt ebenfalls. Mir sind jedenfalls die schönen Gullideckel direkt aufgefallen. Frau Tonari und „ihr sein Blog“ wären sie ganz sicher auch ins Objektiv der Kamera gestochen. 

 

 

Durch die kaum besuchte Einkaufsstraße schlendern wir gemütlich weiter und gönnen uns im Café gegenüber der St.-Trinitatis-Kirche einen Cappuccino in der Sonne. Strahlendblauer Himmel – wer hätte das gedacht. 

Eines von Wolfenbüttels imposantesten Fachwerkhäusern am Holzmarkt wurde 2013 saniert und beherbert im Erdgeschoss ein Café. Wir finden es ist ein wahres Schmuckstück (das rote in der Mitte) geworden – oder? 

 

 

ST. TRINITATIS KIRCHE – VOM KAISERTOR ZUR KIRCHE

 

Genau gegenüber des Café steht die St.-Trinitatis-Kirche. Sie gehört zu den bedeutendsten Kirchen im Stil des Barock in Deutschland.

Wo heute die Kirche steht, befand sich vormals das von Cort Menge in den Jahren 1570 bis 1578 erbaute Kaisertor. Über den Wandel vom Kaisertor zur heutigen Kirche könnt ihr euch gerne mit Klick bei Wiki kundig machen.

 

Hübsch anzuschauen sind auch die Blumenbeete um das Denkmal des „Gärtnerpaares“ an der St.-Trinitatis-Kirche am Holzmarkt.

 

Es grünen und blühen  Blumen und Kräuter, wie beispielsweise Basilikum, Mangold, Palmkohl, Lavendel und Eisbegonien. Wer sich „Gärtnerstadt“ nennt muß das Schaufenster entsprechend gestalten.

 

Auch hier Daumen hoch für eine hübsche und ansprechende Gestaltung. Rund um den Holzmarkt laden Parkbänke zum Verweilen ein und runden so den freundlichen Eindruck ab.

 

 

Das Bild oben ist mir zunächst wegen der Laterne aufgefallen. Der Text im historischen Balken des Fachwerkhauses aus dem Jahre 1696 erinnert mich direkt an den Titel der Ärzte „Lasse redn“ und ist nicht minder sehens- bzw. lesenswert.

 

Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu
Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun
Lass die Leute reden, bei Tag und auch bei Nacht
Lass die Leute reden – das haben die immer schon gemacht…

Ganz genau, auch 1696 hatten die Leute oft nichts Besseres zu tun:

 

Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin
Die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn
Es ist ihr eintöniges Leben, was sie quält
Und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt…

Soviel dazu… Unser Sonntagsspaziergang führt uns weiter zur Reichsstraße und somit direkt zur Marienkirche.

MARIENKIRCHE WOLFENBÜTTEL

Die Hauptkirche Beatae Mariae Virginis zu Wolfenbüttel, erbaut 1608-1624, ist der erste bedeutende protestantische Großkirchenbau der Welt und bis heute eine der großen Kirchen des Braunschweiger Landes.

Manchmal wird diese Kirche auch als Marienkirche bezeichnet, was allerdings der Name der Vorgängerkirche war.

 

Die Fachwerkhäuser rund um den Kornmarkt sind ebenfalls sehenswert. Mehr als sehenswert und extrem fotogen ist der Oldtimerbus, der vor der Kirche parkt. Der würde sich auch prima als Wohnmobil machen! Und genau in unserer bevorzugten Farbe: grau in grau, schwarz wäre allerdings noch besser 🙂

 

Falls jemand von euch mit diesem prächtigen Bus eine Ausfahrt unternehmen möchte so köhnnt ihr sie bei OLDTIMER BUS MIETEN in die Tat umsetzen.

Die Hinweisschilder weisen uns den weiteren Weg zum Wolfenbütteler Schloss. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Lessinghaus und auch an der Herzog August Bibliothek vorbei.

 

LESSINGHAUS

 

Das Lessinghaus wurde 1733 im Stil eines spätbarocken französischen  https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Ephraim_LessingParkschlösschens erbaut und als Hofbeamtenhaus genutzt. Bis zu seinem Tode im Jahre 1781 wohnte und arbeitete der Bibliothekar Gotthold Ephraim Lessing im Hofbeamtenhaus. Kurz vor Weihnachten 1777 bezogen er und seine schwangere Frau das Wohnhaus und Weihnachten wurde hier ihr gemeinsamer Sohn geboren.

Kurz nach der Geburt verstarb der Sohn und am 10. Januar 1778 verstarb auch Eva Lessing im Kindbett. In ihrem Sterbezimmer richtete sich Lessing sein Arbeitszimmer ein und schrieb hier u. a. das Schauspiel »Nathan der Weise«.

Heute gehört das Haus zur Herzog-August-Bibliothek und ist ein Museum zu Leben und Wirken Lessings in Wolfenbüttel.

 

HERZOG AUGUST BIBLIOTHEK

 

Die Herzog August Bibliothek ist eine international bekannte Bibliothek. Wegen ihres bedeutenden Altbestands aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit ist sie eine wichtige Forschungsstätte für die Kultur dieser Zeit.

Die Forschung wird durch internationale Stipendienprogramme gefördert. Wissenschaftliche Tagungen, kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen von überregionaler Bedeutung werden organisiert.

Es war die höchste Summe, die bis dahin für ein Buch bezahlt worden war: 1983 wechselte das Evangeliar Heinrich des Löwen für 32,5 Millionen Deutsche Mark den Besitzer. Wegen dieses hohen Preises wurde es über viele Jahre als „Teuerstes Buch der Welt“ bezeichnet.  

Den Zuschlag bei der Versteigerung des traditionsreichen Auktionshauses Sotheby`s in London erhielt am 6. Dezember 1983 eine Bietergemeinschaft in der sich der Bund, die Länder Niedersachsen und Bayern, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie private Stifter zusammengetan haben.

Wissenswert oder auch nicht: Einer der Schöpfer des Werkes hat sich auf den Seiten des Buches selbst verewigt: liber labor est Herimanni (Mönch Hermann hat dieses Buch gemacht). Mir gefällt das!

 

SCHLOSS WOLFENBÜTTEL

 

Quasi auf der anderen Straßenseite erreichen wir schließlich das Schloss. Unter den Schlössern Niedersachsens nimmt das Welfenschloss von Wolfenbüttel einen besonderen Rang ein.

 

Das Schloss hat seinen Ursprung in einer Wasserburg, die direkt von zwei Seiten durch die Oker als Teil des Ringgrabens geschützt wurde.

Bis heute haben sich der östliche, sowie der nördliche Wassergraben und der schmalen Bergfried, der mit seinem weißen Putz aus dem Schloss herausragt, erhalten. Der Turm weist einen verzierten Aufbau und eine Uhr auf.

Die mächtige Vierflügelanlage diente den hiesigen Herzögen aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg über 320 Jahre als Residenz. Von ihrer glänzenden Hofhaltung künden noch heute die Prunkfassade des Schlosses und die zwischen 1690 und 1740 gestalteten Repräsentationsräume.

Durch Angriffe und Belagerungen wurde das Schloss mehrmals zerstört. Danach wurden mehrere Um und Anbauten durchgeführt. Heute wird das Schloss von einem Gymnasium, der Bundesakademie für kulturelle Bildung und einem Museum genutzt. 

 

 

Im Barock erhielt das Schloss 1714–1716 unter dem Baumeister Hermann Korb eine neue Fassade aus Fachwerk. Die barocken Skulpturen des österreichischen Bildhauers Franz Finckan an der Eingangsbrücke des Schlosses symbolisieren die Tugenden und Pflichten der Herzöge. Eine Dame mit Buch steht zum Beispiel für Weisheit und eine andere mit Waage für Gerechtigkeit.

Kaum jemandem fallen die nicht vorhandene Fenster auf – oder? Schaut einmal genau hin – rechts neben der Krone in der Mitte die beiden und auch das vierte in der Reihe sind nicht verglast.

 

Vor dem Schloss komme ich mit einem netten Herrn ins Gespräch und er fragt ob mir die „Pappfenster“ aufgefallen seien. Sind sie (natürlich) nicht. Er lacht und fordert mich auf die „blinden“ Fenster zu suchen.

 

Nicht nur im Innenhof gibt es etliche dieser Fenster, bei denen man seinerzeit aus Geldmangel statt Glas einfach nur ein Holzbrett eingebaut hat.

Wenn das Auge erst einmal geschult ist fallen diese Attrappen natürlich sofort auf. Im Innenhof des Schlosses wurden übrigens Szenen zum Film „Der ganz große Traum“ mit Daniel Brühl gedreht. 

Unser ganz großer Traum hat sich vor fast acht Jahren erfüllt denn seitdem fährt uns unser Rollhotel (Pössl 2Win) brav und zuverlässig durch die Gegend. Zum Geburtstag im November wird er 273.000 km auf dem Tacho haben.

Keine Panne und auch sonst keine Reklamationen machen ihn zu einem treuen Wegbegleiter und wir finden er macht sich vor dem Schloss optisch recht gut. Wohin er uns am nächsten Wochenende fahren wird steht bei Readaktionsschluss noch nicht fest.

Ehe wir uns aus Wolfenbüttel verabschieden möchten wir folgendes festellen: Wolfenbüttel ist schön, sehr schön sogar!

 

Wir haben in der kurzen Zeit leider nur einen Bruchteil gesehen. Bei nächster Gelegenheit werden wir sowohl Braunschweig als auch Wolfenbüttel einen weiteren Besuch abstatten. Spätestens jedoch 2018!

Das Feierjahr 2018 wird für Wolfenbüttel ein besonderes Jahr werden, denn dann feiert die Stadt ihre erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1118, also vor 900 Jahren.

Eine abwechslungsreiche und wie ich finde lesenswerte Seite über die Lessingstadt Wolfenbüttel gibt es auf dem Blog von Tourismus Wolfenbüttel mit dem schönen Titel „echt lessig“ zu lesen.

Und eine gute Nachricht für die Wohnmobilisten unter euch: Südlich des neuen Allwetterbades „Stadtbad Okeraue“, direkt am Ufer der Oker, liegt der komfortable Wolfenbütteler Wohnmobilpark mit 44 Stellplätzen. Die großzügigen Stellplätze mit den Abmessungen von 7 x 10 m sind mit Stromanschlüssen ausgestattet. Weitere Info berkommt ihr auf dieser Seite: Wohnmobilpark Stadtbad Okeraue

 

Sämtliche Bilder dieses Reisetages im Großformat könnt ihr euch bei Interesse hier anschauen: BILDERBUCH WOLFENBÜTTEL

 

Wohin es uns am nächsten Wochenende verschlägt? Keine Ahnung – irgendwo zwischen Nordsee, Ruhrpott oder Weserbergland wird sich etwas Sehenswertes finden. Obwohl, ich müsste auch dringend die Karibikberichte zum Abschluss bringen und Barcelona wartet auch auf Vervollständigung. Ihr seht, Langeweile kommt so schnell nicht auf.

Schaut wieder vorbei. Denkt bis dahin wie immer daran:

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

Hauptsache glücklich und jede(r) wie er/sie mag

 

Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Korrekturen? Fein, nur her damit – ich freue mich über Mails und Kommentare. Das Formular wartet am Seitenende auf eure Nachricht.

 

Besten Dank für deinen Kommentar und bis zum nächsten Mal...