VON HUELGOAT ÜBER LOCRONAN, DOUARNENEZ, POINTE DU VAN, POINTE DU RAZ BIS COMBRIT

Eines vorweg: WHAT A DAY! Von Huelgoat fahren wir nach Locronan, eines der schönsten Dörfer Frankreichs. In Douarnenez bestaunen wir die vier Häfen und am Pointe du Van sind wir von den Felsvorsprüngen, die dem offenen Meer trotzen schwer begeistert. Als sei das alles noch nicht genug wandern wir anschließend zwei Stunden an der Steilküste entlang zum Pointe du Raz und verlaufen uns in Combrit kurzfristig im dunklen Wald. Lasst euch ins Finistere entführen… viel Spaß!

 

LOCRONAN – ZU RECHT EINES DER SCHÖNSTEN DÖRFER FRANKREICHS

 

Kurz nach neun Uhr machen wir uns nach einer ruhigen Nacht in Huelgoat auf den Weg zurück ans Meer. Das erste Reiseziel dieses Tages ist der kleine zauberhafte Ort  Locronan.

 

Falls ihr euch in der Bretagne schon öfter über die “doppelten Straßenschilder” gewundert habt hier etwas Wissenswertes am Rande: Das Bretonische ist eine keltische Sprache. Bretonisch wird in der Bretagne von den britophonen Bretonen gesprochen und ist damit die einzige moderne keltische Sprache, die auf dem europäischen Festland verbreitet ist.

Hauptverbreitungsgebiet ist das Département Finistère. Die UNESCO klassifiziert die bretonische Sprache als „ernsthaft gefährdete Sprache“ und seit 1985 wurden auf Druck von Einwohnern in zahlreichen Gegenden der Bretagne zweisprachige Straßenschilder eingeführt.

Das Département Finistère im äußersten Nordwesten der Bretagne und ist das westlichste kontinentale Département Frankreichs und erhielt aufgrund seiner Lage in römischer Zeit den Namen Finis Terrae (Ende der Erde). Der bretonische Name lautet Penn ar Bed  was übersetzt allerdings Anfang, Spitze oder auch Haupt der Welt bedeutet.

 

So früh am Morgen sind noch reichlich freie Parkplätze vorhanden und wir finden das Städtchen verschlafen wie verlassen vor. Wie schön!

 

 

Das Dorf liegt ca. 17 Kilometer nördlich von Quimper auf einem Hügel. Locronan hat es mit ganz wunderbaren Argumenten geschafft, in den exklusiven Club der ‘Besonders malerischen Orte’ der Bretagne und der „Schönsten Dörfer Frankreichs“ aufgenommen zu werden.

 

 

Kaum haben wir die ersten Meter vom Parkplatz in Richtung Kirche hinter uns gebracht verstehen wir was der Reiseführer damit gemeint hat.

Statt schriller Leuchtreklame hängen traditionelle Ladenschilder an den Geschäften und der Besucher fühlt sich wie durch eine Zeitmaschine in ein anderes Jahrhundert versetzt.

 

Die Kelten erkoren diesen Ort zum Nemeton, einem aus Stationen, die die 12 Monate des Jahres symbolisieren, bestehenden Kultweg. Im 11. Jahrhundert christianisiert der Heilige Ronan den Ort und gründet die Stadt. Diese nennt sich von nun an Locronan.

Ab dem 14. Jahrhundert gelangt sie dank der Segeltuchweberei zu Reichtum und Schönheit. Der mit allen großen Flotten begründete Handel bringt großen Wohlstand und wunderschöne Granithäuser mit sich. Mauern, die ihrer Herkunft treu geblieben sind.

 

Das warme Licht der Morgensonne spiegelt sich in den Scheiben und scheint die alten Steine zu vergolden. Elegante Häuser mit aus Stein gehauenen Dachluken umschließen den Hauptplatz.

 

 

Die Kirche Saint-Ronan und die daran anschließende Chapelle du Pénity haben eine gemeinsame Fassade, jedoch mit unterschiedlichen Wasserspeiern.

 

Im Kirchenschiff erzählen Kanzel und Hauptfenster unterschiedliche Episoden der Religionsgeschichte. Auch die Nachbarstraßen werden von hübschen Bauten gesäumt. Um die Authentizität des historischen Kerns zu erhalten, herrscht hier ein Verbot für Autos.

 

Aus unserer Sicht lohnt dieser hübsche Ort auf jeden Fall einen Besuch. Uns hat der Besuch in den frühen Morgenstunden besonders gut gefallen. Als sich um kurz vor zehn Uhr die kleinen Lädchen auf den Besuchernsturm rüsten machen wir uns wieder auf den Weg zum nächsten Highlight des Tages.

Klickt euch gerne durch das LOCROCAN BILDERBUCH im Großformat während wir uns auf den Weg zum zweiten Reiseziel des Tages machen.

 

DOUARNENEZ – DIE STADT MIT DEN VIER HÄFEN

 

Die hübsche, dem Meer zugewandte Stadt Douarnenez besitzt nicht weniger als vier Häfen und blickt auf eine Geschichte voller Salz und Sardinen zurück.

 

 

Ehe wir über die D7 die Stadt erreichen fällt uns der größte der vier Strände von Douarnenez auf. Wir parken den Pössl im Industriehafen und machen uns auf die zweite Stadt dieses Tages zu erkunden.

 

Als erstes entdecken wir im Zentrum den Damenstrand (Plage des Dames). Er ist der familiärste der vier vorhanden Strände. Am frühen Morgen schlafen hier lediglich einige vom Vortag übrig gebliebene Partygästge ihren Rausch aus.

Der Legende nach entstand Douarnenez aus der Stadt Ys, der Stadt König Gradlons, deren Untergang durch dessen Tochter Dahut heraufbeschworen worden war. Es war aber auch ein ganz realer Handelshafen, von dem um das 16. Jahrhundert die Stoffe der Region verschifft wurden.

 

Ihren größten Reichtum verdankt sie jedoch dem Fischfang im 19. Jahrhundert, als Douarnenez sich zur Sardinenhochburg entwickelte.

Aus dieser Zeit stammen die alten Häuser, die Kirchen in Pouldavid und oberhalb des Hafens Port du Rosmeur, die Werkstätten und die kleinen Fischerhäuser.

 

Einst von den Aktivitäten der Fischkutter und der Konservenfabriken geprägt, sind die farbenfrohen Fassaden der Kais heute von Cafés und Restaurantterrassen gesäumt.

 

Ein ganz klein wenig erinnert mich dieser Ort und die dazugehörige Geschichte an die Cammery Road in Monterey, die wir im September letzten Jahres während unserer USA Rundreise besucht haben.

Dort wurde alte Industriekultur und gekonnt mit modernen Elementen kombinert und dennoch der Charme von damals erhalten. Ich mag solche Orte sehr, nicht umsonst sind wir oft und gerne im Ruhrpott unterwegs. Aber zurück in die Bretagne.

 

 

Wer authentische Boote und Segelschiffe aus der ganzen Welt entdecken möchte ist im Museumshafen genau richtig! Fünf im Flutbecken vertäute Boote sind für Besucher geöffnet: ein Langusten Fischerboot, ein Lastkahn, ein britischer Schlepper, ein Binnenschiff und ein norwegischer Küstendampfer.

Wir haben heute allerdings noch so einiges vor und begnügen uns mit den Booten und Schiffen die wir im Vorbeigehen sichten können. Das Nachfolgende hat es mir besonders angetan.

 

 

 

Vom Museumshafen laufen wir noch ein wenig durch die Gassen, zur Kirchen hoch und zum Hafen und dem wartenden Wohnmobil zurück.

Von der hohen Brücke im Hafen werfen wir einen letzten Blick auf die Stadt und den Museumshafen zurück. Ein schöner Ort der einen Besuch durchaus lohnt!

 

 

 

Ehe wir das nächste Reiseziel ansteuern „überfallen“ wir noch kurz den Lidl in Douarnenez und fahren 30 km „let´s go West“ über die D 7 bis zum „Pointe du Van“.

Genug der Städte lasst Natur und Landschaft folgen, viel Natur und noch mehr Landschaft, versprochen!

 

CAP SIZUN – ENDE ODER ANFANG VON ALLEM?

 

Das Finistère trägt seinen Namen zu Recht. Die Erde endet mit einer Reihe von Kaps und Felsvorsprüngen, die dem offenen Meer trotzen. Die Höhepunkte dieser Küste sind die legendären Landspitzen Pointe du Raz und Pointe du Van.

Hinter den weiten Küstenlandschaften offenbart das Hinterland einen freundlichen Charakter.

Das Cap Sizun ragt südlich der Halbinsel Crozon und westlich von Douarnenez und Audierne weit in den Atlantik. Vorn am Kap sind die Pointe du Van (in Kermeur hat Leblanc in „Bretonische Flut“ ein Wochenendhaus) und südlich davon die Pointe du Raz beliebte Aussichtspunkte.

 

 

POINTE DU VAN – SCHROFF, WILD UND WUNDERSCHÖN

 

Die Pointe du Van ist ein felsiges Kap auf Cap Sizun im äußersten Westen der Bretagne. Sie ist etwas weniger schroff als ihr Gegenstück, die Pointe du Raz, aber dazu später mehr.

 

 

Auf dem kostenlosen Parkplatz findet sich noch ein freier Parkplatz und kurze Zeit später weht uns frische Meeresluft um die Ohren. Ach wie unglaublich schön ist es hier.

Nach zwei Städten entspannt die Aussicht hier ganz besonders. Wir sind ja eher die “Naturburschen”. Schaut euch das doch einmal an – da geht einem doch das Herzchen über – oder?

 

 

Nach einer gemütlichen Runde entlang der Steilküste gönnen wir uns noch einen Kaffee in der Sonne und fahren weiter zum nächsten Kap.

Info für die Wohnmobilisten: Der kostenlose wie schattenlose Stellplatz ist nur im Sommer geöffnet und 5,5 km vom Zentrum entfernt. Mehr Info gibt es mit Klick hier!

 

 

POINTE DU RAZ – DAS MEISTVERKAUFTE POSTKARTENMOTIV DER BRETAGNE

 

Wie zu befürchten kommt man so ohne Weiteres nicht an diese Sehenswürdigkeit heran. Aber 6,50 Euro ist uns der Parkplatz nicht wert und mit einer gelanten Schleife fahren wir direkt wieder in den Ort zurück.

 

Der Pössl wird ordentlich am Straßenrand geparkt und wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Pointe du Raz. Ein kurzes Stückchen an der Straße entlang und dann weisen uns Schilder den Wanderweg entlang der Steilküste.

 

 

Atemberaubend ist tatsächlich das passende Wort um die Aussicht und das Gefühl bei der Wanderung entlang der Felsen annähernd zu beschreiben. Na klar hätte man sich für 6,50 Euro auf den Parkplatz stellen können, aber vielleicht hätten wir dann diesen wunderschönen Wanderweg übersehen… Immer diese Zufälle!

Info für die Wohnmobilisten unter euch – es gibt direkt am Pointe du Raz einen Wohnmobilstellplatz.

Der Weg führt uns bergaus und ab und wir genießen einfach das Hier und Jetzt. “Oh schau mal” und “Wow, wie schön!” wechseln sich ab und alle paar Meter halte ich an um euch die nachfolgenden Eindrücke in Bildform präsentieren zu können.

 

Könnt ihr die salzige Meeresluft riechen und schmecken? Seid ihr im Geiste mit uns auf diesem schönen Wanderweg unterwegs?

Und ja, es müssen nachfolgend noch mindestens vier weitere Exemplare sein und groß und ach, ich bin direkt wieder vor Ort und völlig aus dem Häuschen… Ich bin total #bretagneverliebt ! Und je rauher und wilder desto besser. Natur pur!

 

 

Und dann erreichen wir irgendwann die „Grand Site de France“, eine der berühmtesten Landspitzen in ganz Europa!

 

 

In der Nähe der Pointe du Raz befinden sich Geschäfte und Restaurants… und jede Menge Touristen. Und irgendwie verfliegt die Euphorie, das Glücksgefühl…

Das hier ist jetzt so gar nicht “unser Ding”. Schöner war´s zu zweit auf dem Wanderweg.

 

Die Statue der Mutter Gottes der Schiffbrüchigen “Notre Dame des Naufragés” muss natürlich auch noch “in den Kasten” und die vielen, hübschen Steinmännchen lassen Frank schon recht klein wirken.

 

 

Das Besucherzentrum verfügt über einen Filmvorführsaal mit 100 Sitzen und einen Ausstellungsraum. Hier erfährt der Besucher alles über den natürlichen Lebensraum und den Zauber der herrlichen, vielfältigen Region Cap Sizun.

Wir haben genug erfahren bzw. erlaufen und gönnen uns ein Eis in der Sonne. Das nutzt jetzt alles nix – wir müssen heute noch weiter und auch noch einen Stellplatz für die Nacht suchen.

 

2026 km sind wir in den letzten 10 Tagen gefahren und es sind noch immer 1200 km bis Barcelona, das erklärte Ziel dieser Reise. Zur Zeit entfernen wir uns diesem Reiseziel allerdings eher als das wir uns nähern. Aber das wird schon noch… (ich weiß das, denn ich war dabei). Wir haben ja noch elf wunderbare Tage Zeit.

 

Endspurt dieses Reisetages – um halb acht stehen wir auf dem wunderschönen Campingplatz LE HELLES in Combrit, “schmeissen den Grill an”, erledigen den Abwasch und schaffen es doch glatt uns abends auf dem Weg zum Meer im dunklen Wald zu verlaufen…

Was soll man nach solch einem Tag noch sagen? Wir sind tief beeindruckt und haben uns nachhaltig und unsterblich in die Bretagne „verknallt“.

Haben wir auf unserer Tour sehenswerte Orte verpasst oder den “falschen” Campingplatz gewählt? Was könnt ihr uns für die nächste Tour empfehlen? Wir freuen uns über Tipps und Ratschläge!

Sämtliche Bilder dieses Tages gibt es mit Klick hier im Großformat.

 

Wohin uns die Reiseroute morgen führt? Keine Ahnung! Wir sind jedenfalls mehr als gespannt und werden berichten – schaut also wieder vorbei und denkt wie immer daran:

 

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES


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