DU WILLST DIR DOCH NICHT FÜR 700 METER EIN TAXI BESTELLEN – ODER?

Heute wird es richtig heftig! Wenn ich an diesen Reisetag denke könnte ich direkt anfangen zu jammern… Wir fahren mit der Seilbahn auf den Monte (toll!), schauen uns im Ort Monte um (sehenswert!), lachen über die Korbschlittenfahrer (witzig!), schlendern durch den Botanischen Garten (erholsam!) und gehen wieder lecker essen (vorzüglich!) – bis es allerdings so weit ist fließen fast Tränen. Himmel die Berge, was ein Tag!

 

 

 

MARKTHALLE FUNCHAL

 

Gut gelaunt und nichts Böses ahnend machen wir uns am Samstagmorgen, naja doch eher Mittag auf den Weg in die Stadt. „Lass uns doch mal kurz bis zur Markthalle laufen“ schlage ich vor und kurze Zeit später laufen wir bei strahlend blauem Himmel genau in diese Richtung. Selbstverständlich führt uns der Weg durch die Altstadt an den bunt bemalten Haustüren vorbei.

 

 

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Noch ehe wir den Bauernmarkt Mercado dos Lavradores erreichen wird das Gedränge spürbar und an der Markthalle angekommen reicht ein Blick zwischen Frank und mir der ganz klar signalisiert „Abmarsch!“ Mit Ausrufungszeichen! Nee, so schön kann kein Markt sein.

 

 

 

Der Markt ist sehens- und erlebenswert (besonders auch der Fischmarkt) , keine Frage, wenn der Besucher allerdings nur durch die Gänge geschoben wird und seinen Weg nicht frei wählen kann ist Schluss mit lustig und es sollte ein anderer Zeitpunkt gewählt werden.

Für diejenigen unter euch, die weder in Funchal noch in der Markthalle waren habe ich eine sehr schöne Beschreibung gefunden – klickt euch gerne einmal zur Markthalle nach Funchal. Sie ist zur richtigen Uhrzeit auf jeden Fall einen Besuch wert. 

 

 

FUNCHAL UND DIE SEILBAHN

 

 

Eines vorweg: Es gibt in Funchal zwei Seilbahnen – die eine verbindet Funchal mit dem Monte und die andere führt hoch zum Botanischen Garten Jardim Botânico da Madeira.  

Nachdem wir die Markthalle fluchtartig verlassen haben erreichen wir um viertel vor eins die Seilbahn hoch zum Monte. Mehr Info zu dieser Seilbahn gibt es mit Klick hier

 

 

 

„Oh wie schön, schau mal, dort stehen ja nur ein paar Leute!“ Erleichtert über diese Tatsache (es hätte schlimmer kommen können) stellen wir uns brav in die Reihe und schweben kurze Zeit später in lichter Höhe hoch auf den Monte.

Die Strecke ist circa 3.200 Meter lang und überwindet einen Höhenunterschied von 580 Metern. Die Fahrt dauert zwischen elf und zwanzig Minuten, was einer Geschwindigkeit von etwa 13 bis 18 km/h entspricht.

 

 

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Wir teilen uns die Gondel mit einem jungen Paar aus England und einem älteren Herrn. Die Rundumsicht garantiert Sicht auf die ganze Stadt, über die wir scheinbar schwerelos hinweggleiten.

Wir entdecken uns bekannte Straßen und sehen das Straßennetz, das durch Tunnel im Berg verschwindet und über Brücken wie in der Miniaturlandschaft einer Modelleisenbahn verläuft.

 

 

 

Je weiter wir nach oben zum Berggipfel gleiten desto mehr baufällige Häuser entdecken wir, nichtsahnend, dass wir sie später am Tag noch ganz aus der Nähe sehen werden.

Hin und wieder entdecken wir Ruinen, morbide Wände ohne Dächer. Unter uns scheint sich seit Jahrzehnten nicht viel verändert zu haben. Hier haben die Menschen immer schon mehr oder weniger gut gelebt. Die Natur hat die Inselbewohner beschenkt, den Rest müssen sie sich auch hier erarbeiten.

 

 

 

Mit Blick auf das glitzernde Meer fällt mir direkt der Text eines Grönemeyer Lieblingstitels ein…

 

Alle Fenster gehen nach Süden
Mit Blick auf’s glitzernde Meer
Ich glätte täglich die Wogen
Tauch’ versunkenen Träumen hinterher
Tausche Sehnsucht gegen Perlmutt
Werde lachen und weinen um dich
Hab immer ‘n Trumpf im Ärmel, der sticht

 

… und ich schmunzle in mich hinein, schaue Frank an und freue mich, dass es ihn (für mich) gibt. Bei uns Zuhause gehen auch alle Fenster nach Süden, er (Frank) glättet auch, wenn nötig (meine) Wogen (später wird er noch Gelegenheit dazu finden) und ja, er hat immer einen Trumpf im Ärmel der sticht. Verdammt, ich lieb dich – das war doch auch irgendwann einmal ein Musiktitel – oder?

Zurück in die Gondel und zu diesem herrlichen Gefühl, wenn man in luftiger Höhe auf die Welt hinabschaut. Wie ich das liebe! Die Fahrt verläuft ganz ruhig… und fast ein wenig wie in Zeitlupe.

Man verliert sich und träumt vor sich hin. Überlegt wer dort unten wohnen und welche Geschichten er oder sie erzählen könnte.

 

 

 

Der Blick wechselt zwischen dem Hafen, kleinen Bananenplantagen, schroffen Felsen und Momentaufnahmen auf das Alltagsleben der Einheimischen hin und her. Ganz allmählich nähern wir uns dem Berggipfel und die Fahrt ist, aus meiner Sicht leider, nach einer knappen Viertelstunde schon vorbei.

Der Beschreibung könnt ihr sicherlich entnehmen, dass wir die Fahrt mit der Seilbahn genossen haben und gerne weiterempfehlen möchten. Für die liebe Anja und andere Menschen mit Höhenangst ist es vielleicht nicht der ideale Transportweg – alternativ bietet sich eine Bus- oder Taxifahrt an.

 

 

 

Hier oben auf dem Gipfel befinden sich die Antriebsstation und die Garage für die Unterstellung der Seilbahnkabinen. Besser als meine Worte können natürlich bewegte Bilder diese Fahrt beschreiben.

Bis ich unser eigenes Video fertig habe, füge ich ein youtube Video ein. Hier geht die Fahrt allerdings in die entgegengesetzte Richtung.

 

 

 

Ehe wir uns die Wallfahrtskirche und den botanischen Garten anschauen gönnen wir uns erst einmal (wie sollte es anders sein?) ein herrlich kühles Bierchen.

Gibt es etwas Schöneres als Ende Dezember mittags mit einem kühlen Gerstensaft bei grandioser Aussicht in der Sonne zu sitzen?

 

 

Na klar kann man das noch toppen, mir fallen auch einige Dinge ein, für uns ist es an diesem Tag jedoch Genuss pur und fühlt sich verdammt gut an. Nachdem die Zeche bezahlt ist machen wir uns auf den Weg in den Ort Monte und später besuchen wir den Botanischen Garten.

 

WALLFAHRTSKIRCHE NOSSA SENHORA DO MONTE

 

 

Achtundsechzig steile Stufen führen hinauf zur barocken Nossa Senhora do Monte. Die Kirche wurde 1741 erbaut doch erst am 20. Dezember 1818 konnte die Einweihung erfolgen, da durch das Erdbeben 1748 die Kirche wieder zerstört wurde. In der Seitenkapelle befindet sich der Sarkophag mit dem Leichnam des letzten Kaisers von Österreich.

 

 

 

Karl der Erste wurde nach dem ersten Weltkrieg in die Verbannung geschickt. Am 19. Februar 1921 kam er nach Funchal und bereits ein Jahr später starb er an einer Lungenentzündung. Diese Info gibt es gratis auch wenn ich den Verdacht habe, dass dieses Wissen eher „unnütz“ ist.

 

 

 

Wir schauen uns die Kirche kurz von innen an und erfreuen uns lieber an der Sicht von hier oben auf den Hafen. Ein wenig schleicht sich die Spannung auf Silvester ein und die Frage wie viele Kreuzfahrtschiffe bis zum Silvesterabend eintreffen werden. Bis dahin haben wir noch mehr als einen Tag Zeit und die schwimmenden Hotels auch.

 

 

 

Kennt jemand von euch „KISS & RIDE“? (Klick für Info) Knutschen als Zahlungsmittel bei der nächsten Taxifahrt ist es jedenfalls nicht. Uns springt das Verkehrsschild direkt ins Auge und erst daheim bin ich der Bedeutung des Schildes auf die Spur gekommen. Ich finde diese Erklärung spannender als die Historie vom Kaiser Karl. So hat jede ihrs oder jeder seins.

Wir schlendern kurz durch den Parque Municipal do Monte. Es handelt sich um einen öffentlichen Park, für den weder Öffnungszeiten noch Eintrittsgelder notwendig sind.

 

 

 

Er liegt auf einer Höhe von 550 Metern über der Bucht von Funchal und ist etwa 26.000 Quadratmeter groß. Die Atmosphäre ist beschaulich mit einem Hauch von Romantik. Von Frühjahr bis Herbst wird er sicher hübscher sein und vor allen Dingen gewiss auch blumiger.

 

KORBSCHLITTENFAHRT

 

 

Oben auf dem Monte führt kein Weg an den Korbschlitten vorbei und so landen wir auf unserem Weg zum botanischen Garten natürlich auch in der Gasse, in der bereits etliche Fahrgäste auf die rasante Abfahrt warten.

Die ersten Korbschlitten, die „Carros de Cesto“, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts als schnelles Transportmittel für die Bewohner Montes eingeführt und waren damit die ersten öffentlichen Verkehrsmittel auf Madeira.

 

 

 

Erst die Briten, die die Korbschlitten „Toboggan“ nannten, machten aus der vergnüglichen Fahrt gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Attraktion für Touristen. Heutzutage gehört eine Fahrt im Korbschlitten zu einer der bekanntesten Aktivitäten auf der Insel und bietet Spaß für die gesamte Familie.

 

 

Die Korbschlittenfahrten starten unterhalb der Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte und die Strecken sind in etwa zwei Kilometer lang. Zwei Fahrgäste finden in den altmodischen Korbschlitten Platz.

 

 

 

Gesteuert werden die Schlitten traditionell von zwei weiß gekleideten Männern mit Strohhüten, den „Carreiros“. Teilweise werden die 70 kg schweren Korbschlitten geschoben oder es werden eingefettete Lappen unter die Kufen geschoben um auf den Asphaltstraßen mehr Schwung zu bekommen.

Auf den engen, kurvigen und teils auch von Autos befahrenen Straßen kann dabei eine Maximalgeschwindigkeit von 48 km/h erreicht werden. Ein Fuß des „Carreiros“ bleibt stets auf den Kufen, der andere wird zum Lenken, Beschleunigen oder Abbremsen genutzt. Nach etwa 10 Minuten endet die Fahrt in Funchal.

 

 

 

Solltet ihr die Strecke nicht sehen haltet einfach die Ohren ein wenig auf. Sobald ihr lautes Gelächter, Schreie oder Rufe hört seid ihr nicht mehr weit entfernt.

Zur Erheiterung der Fahrgäste (oder der umstehenden Passanten) fahren die Carreiros auch gerne einmal gaaaanz aus Versehen (ja nee is klar…) auf die zwei Meter hohen Wände zu jedoch nur um den Korbschlitten kurz davor wieder herum zu reißen und, als wäre nichts geschehen, wieder auf Kurs zu bringen.

 

 

 

Ein Mordsspaß, der sich reger Nachfrage erfreut – mehr Info gibt es mit Klick auf Deutsch hier. Wir machen zwar üblicherweise „jeden Sch…. „ mit doch diese Abfahrt überlassen wir gerne den anderen Touris.

Frei nach dem Motto „Kann man machen, muss man aber nicht!“. Viel über Madeira, Funchal und auch über die Korbschlitten gibt es in einer WUNDERSCHÖN FOLGE zu sehen.

Klickt euch gerne rüber bedenkt aber, dass direkt Fernweh und Reisewunsch geweckt werden. Von wegen Nebenwirkungen und so… Beste Grüße an die liebe Sigrid von AKTIV60PLUS, das könnte dir gefallen.

 

 


JARDIM TROPICAL MONTE PALACE

 

 

Wir schauen kurz das Museum Monte Palace und seine drei Galerien an. In den verschiedenen Ausstellungen werden Skulpturen und Bodenschätze aus Afrika und Nord- und Südamerika ausgestellt. Da wir allerdings mehr Outdoor als Indoor begeistert sind halten wir uns hier nicht allzu lange auf.

 

 

Haben uns in Lissabon die vielen wunderschönen Fliesen schon gut gefallen entdecken wir hier umgeben von üppiger tropischer Vegetation eine der bedeutendsten Kachelsammlungen Portugals.

Die Kacheln repräsentieren mehrere Jahrhunderte und stammen aus Palästen, Kirchen, Kapellen und Privatbesitzen des früheren portugiesischen Imperiums.

 

 

 

Insgesamt vierzig Wandtafeln stellen die portugiesische Geschichte dar – angefangen vom Königreich des Dom Afonso Henriques bis zur letzten Tafel, die der Dritten Republik gewidmet ist.

Auf einer Reise nach Japan und China war José Berardo so von der Schönheit, Kultur, dem Lebensstil und dem Einfluss der Portugiesen auf den Orient beeindruckt, dass er in seinem Garten zwei orientalische Gärten integrierte.

Die leuchtend rote Farbe der Geländer und Torbögen ist ein hübscher Kontrast zum Grün der Bäume und Farne ringsherum.

 

 

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Inmitten der orientalischen Gärten befindet sich auch ein großes Becken mit wertvollen Koi Karpfen aus Ostasien. Der Teich mit einem bezaubernden Wasserfall, der von Enten und Schwänen bevölkert ist, bietet eine Oase der Ruhe in diesem kontrastreichen Park. Es ist so herrlich ruhig hier.

 

 

 

Nach weiteren Besuchern müssen wir quasi Ausschau halten. Die Bänke stehen verwaist herum und Aufnahmen ohne Touristen im Hintergrund sind hier kein Problem.

 

 

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Von der Terrasse des einst prächtigen Monte Palace lassen wir noch ein Weilchen den Blick schleifen und sind fast überrascht diesen schönen Ort für uns allein zu haben.

 

 

 

Der Park ist schön und ein Besuch erholsam und informativ unser Fazit lautet nach gut zwei Stunden allerdings „Mit den 25,00 Euro (2 x 12,50 Euro Eintrittspreis) hätten wir auch etwas anderes anstellen können.“

Vermutlich bietet der Park in einer anderen Jahreszeit mehr Augenschmaus und ist das reinste Blütenmeer. Er, also der Park, kommt jedenfalls nicht in unsere „Top Ten“, sondern landet in der „Kann man machen muss man aber nicht“ Schublade. Mehr Info zum Park (Zeiten, Preise usw.) gibt es mit Klick, leider nur auf Englisch, hier.

„Langsam bekomme ich Hunger!“ ist um kurz nach 16 Uhr das Stichwort um den Heimweg anzutreten. Im Reiseführer wurde das Restaurante Planka lobend erwähnt und dort wollen wir heute essen und die angeblich grandiose Aussicht begutachten.

„Vom Monte aus sind es nur 4,6 km zu Fuß und nach dem Essen brauchen wir bis zur Wohnung nur noch 1,8 km bergab rollen“, erkläre ich Frank am Vorabend und erhalte ein „Klingt super!“ zur Antwort.

 

 

HIER IST DER WEG GANZ SICHER NICHT DAS ZIEL!

 

 

Vielleicht, also ganz vielleicht, hätte ich mir bei dieser Recherche auch die Topografie anschauen sollen. Habe ich aber nicht und so bin ich erst einmal erstaunt, dass es ab Monte mehr als ein Weilchen steil bergab geht. Wieso nicht einfach quer rüber?

Anm.: Da mir im Botanischen die teilweise sehr alten Fliesen gut gefallen haben füge ich noch ein paar Bildchen hier ein…

 

 

 

 

Während wir entweder über Stufen oder am Straßenrand bergab wandern verläuft die Seilbahn im Wechsel zeitweise rechts oder links über uns.

In dieser Gegend scheint jeder Hausbesitzer mindestens einen oder zwei Hunde sein Eigen zu nennen. Die Vierbeiner laufen im Garten frei herum und nur hohe Zäune halten sie davon ab uns mit mehr als nur durch Gekläffe Furcht einzuflößen.

 

 

 

Und wenn ein Hofhund bellt stimmen die Nachbarschaftshunde fröhlich mit ein. Wenn sie wenigstens einen ordentlichen Bass zustande bringen würden aber nein, sie jaulen und piepsen mit so kläglichen Stimmchen, dass es in den Ohren weh tut.

Ihr denkt vielleicht: „Freut euch, noch geht es bergab!“ und damit habt ihr in etwa Recht, es geht jedoch so steil bergab, dass die Beine ganz schön gefordert werden. Und ich sag´s euch – bergab geht voll auf Knie und Schienenbein.

 

 

Macht euch keine Sorgen, noch sind wir gut gelaunt und (noch) frohen Mutes. Für die ersten 4,6 km bis zum Restaurant benötigen wir 53 Minuten und ich frage mich unterwegs wie steil Straßen eigentlich sein dürfen? Es gibt tatsächlich Straßen mit bis zu 37 % Steigung – mit Klick hier geht es zu einer kleinen Zusammenstellung.

Die Lombard Street in San Francisco hat 27 Prozent und wenigstens rechts und links der extrem kurvigen Strecke Stufen und ich erinnere mich gerne an unseren Besuch dort. Fast noch faszinierender sind die 15% Gefälle der Trollstigen in Norwegen… ach, da werden ganz besonders schöne Erinnerungen wach.

 

 

 

 

Zurück nach Funchal… nutzt ja alles nix! Den tiefsten Punkt (der Tiefpunkt kommt noch) haben wir erreicht und ab hier geht es vierhundert Meter steil bergauf und weitere achthundert Meter so steil, dass es verboten gehört, Stufen eingebaut werden müssten oder ein Bergführer mit Seilen voranschreitet. Ok, das ist jetzt vielleicht ein ganz klein wenig übertrieben…

Es mag auch vielleicht und unter Umständen daran liegen, dass wir, clever wie wir fast immer so sind, heute noch nichts gegessen haben. Mittlerweile haben die Kirchenglocken zum 17. Mal die volle Stunde eingeläutet und ich lege alle 100 m ein Päuschen ein.

 

 

 

Ein Lichtblick am fernen Himmel. Der Himmel ist oben und genau dort stehen vier quietschgelbe Taxen. „Ich nehme jetzt ein Taxi für den Rest der Strecke! Ich kann und ich will nicht mehr und ich habe Hunger. Großen Hunger!“

DU WILLST DIR DOCH NICHT FÜR 700 METER EIN TAXI BESTELLEN?“ lacht Frank mich aus und bekommt ein „DOCH!“ zur Antwort.

Kurze Zeit später lenke ich mit einem „Ok, ein bisschen albern wäre das schon“ ein und setze wieder brav einen Fuß vor den anderen und versuche nicht an Essen zu denken. Auf Höhe des Taxistandes schaue ich wehmütig zu den fahrbaren Untersätzen hinüber.

 

 

 

Schritt für Schritt und einigen Pausen schaffe ich irgendwie die nächsten vierhundert Meter. Und dann reicht es mir endgültig!

Es ist so als würde man von einem PKW, dessen Tank leer ist, verlangen er solle dennoch fahren. Man kann versuchen den Wagen zu starten wird jedoch keinen Erfolg haben. Da helfen wohl gemeinte Motivationsrufe genauso wenig wie Drohgebärden.

Und so fühlt es sich bei mir auch an. Als hätte ich vergessen an welchem „Faden“ ich ziehen muss um einen Fuß vor den nächsten zu setzen stehe ich da und komme nicht mehr von der Stelle. Empty! Leer! Finito! Aus und Ende! Rien ne va plus!

Ganz ehrlich, das habe ich so noch nie erlebt! „Scheiß Berge!“ In Barcelona bin ich alleine binnen zwölf Stunden über 40 km gelaufen und es ging mir super gut…

„Ich laufe jetzt die 400 m wieder bergab bis zum Taxistand und lasse mich die 700 m bis zum Lokal fahren!“ verkünde ich und habe Tränen in den Augen und bin selbst erstaunt und noch mehr verzweifelt. Schwach sein und „nicht können“ ist eher nicht so mein Ding, aber an diesem Abend in Funchal… tja, da wollte und konnte ich echt nicht mehr!

Franks ruhige Art und seine tröstenden Worte bringen mich dann doch von der glorreichen „ich fahr Taxi“ Idee ab. Stattdessen folge ich ihm im 2-3 m Abstand in ganz kleinen Schritten und weiteren Pausen bis er mich im toternsten Ton fragt, ob das Lokal heute überhaupt geöffnet hat.

Genau das sind diese Momente in denen man sich direkt fragt ob Heulen oder Lachen die richtige Reaktion sei. Ich entscheide mich für Lachen und schlussendlich werden wir um 17:39 vom Inhaber des RESTAURANTE PLANKA persönlich mit Handschlag begrüßt.

Seinen Werdegang und die Philosophie des Hauses möchte der Inhaber uns gerne näherbringen ehe ich ihn prompt und so freundlich wie eben möglich unterbreche  „First of all i need a chair, something to eat and drink my friend!“

 

 

 

Wir sind die einzigen Gäste und können uns einen der Tische direkt am Fenster aussuchen. Und wahrlich – die Sicht auf die Stadt ist sagenhaft – oder?

 

 

 

Zwischendurch kommt ein Bediensteter immer mal wieder an den Tisch und fragt ob alles ok ist und ja, es ist alles prima! Das Essen ist sehr lecker und frisch zubereitet und das Personal sehr freundlich und zuvorkommend.

Der Kellner Naseer kommt gebürtig aus Kaschmir und erzählt uns von seiner Heimat und wie er über England nach Funchal gekommen ist. Sein Ausspruch „England is for work and Funchal is for life“ hat uns besonders gut gefallen.

 

 

 

Das Lokal ist für den Silvesterabend komplett ausgebucht, erzählt er uns lachend, und sicher nicht nur wegen der tollen Sicht von der Dachterrasse. Solltet ihr die Beurteilungen bei tripadvisor lesen können wir die Richtigkeit der positiven Aussagen bestätigen.

Über diese Plattform lässt sich übrigens auch bequem ein Tisch (am Fenster) reservieren. Und wer sich die steile und oben erwähnte Bergtour weder zu Fuß noch mit dem (Leih)Wagen antun möchte erhält noch kurz den Hinweis: Buslinie 29 fährt fast bis vor die Tür.

Schon während des Essens lachen wir natürlich über meine „kindische Anstellerei“ und sie wird auch in den kommenden Jahren gewiss immer wieder für Lacher sorgen.

Morgen schauen wir uns Madeiras Start und- Landebahn am Flughafen an, trinken Kaffee in Canical und sind vom Aussichtspunkt Ponta do Rosto begeistert. Nachmittags schlendern wir in die Altstadt von Funchal und weiter zum Hafen…

Silvester in Funchal kann man kaum beschreiben besser ist es, wenn man es selbst erlebt. Lasst euch ein wenig inspirieren! Schaut gerne wieder vorbei (Fortsetzung folgt schnellstens) und denkt wie immer daran:

 

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

Hauptsache glücklich und jede(r) wie er/sie mag

 

Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Korrekturen? Fein, nur her damit – ich freue mich über Mails und Kommentare! Das Formular findet ihr wie gewohnt am Seitenende!

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14 Kommentare

  1. Hallo Petra,
    ich habe jetzt beim Lesen so mitgefühlt und weil ich ja weiß, welche Strecken du so an einem Tag zurücklegen kannst, muss es schon ganz schlimm gewesen sein, wenn so gar nichts mehr geht. Wir fuhren 2013 wandern nach Südtirol und drei Monate zuvor hatte ich – unverohergesehenerweise – eine Kniearhtroskopie, weil gar ncihts mehr ging mit dem blöden Gelenk. Wir versuchten nur moderate Wege zu finden oder bergauf zu gehen und bergab zu fahren mit einer Sesselbahn oder Gondel, aber einmal mussten wir dann doch lange, sehr lange bergab laufen und ich dachte ich verlebe es nicht mehr. Hatte sowieso noch Schmerzen und dann dachte ich echt, dass mein Knie durchbricht, so ekelhaft war das. Also ich kann dir gut nachfühlen. Hätte ich damals ein Taxi gesehen – ich wäre sofort hinein gehüpft. Es ist keine Schande, wenn nix mehr geht, auch mal aufzugeben – finde ich jedenafalls. Silvester auf Madeira – also das klingt so saugut, dass ich mir das richtig gut vorstellen kann. Und diese sehr steilen Straßen, wo man Angst hat mit dem Auto zu fahren, kenne ich von Teneriffa. Da hatte ich fast mal eine Panikattacke so steil musste ich mit dem Leihauto rauf fahren bei Regen und Kopfsteinpflaster. Nach dem Anhalten kam ich kaum mehr weg, die Räder drehten durch und ich dachte ich kann gar nicht Autofahren, obwohl ich nun seit 48 Jahren !!! fahre und sehr gerne und alle Autos, aber da dachte ich, dass ich nicht mehr heil oben ankomme und runter anschließend auch nicht. ! Ja, auf Reisen kann man echt was erleben und das ist dann wiederum SEHR GUT 🙂

    1. Liebe Sigrid,
      du lässt ja auch nichts aus! Was heute noch die Katastrophe und das Übel sind werden im Laufe der Jahre schöne Geschichten zum weiter erzählen. Viele Reiseziele verblassen im Laufe der Jahre doch solche Erlebnisse bleiben im Kopf. Deine Knie Geschichte liest sich auch sehr bedauerlich und die Fahrt auf rutschig steiler Straße lässt mit zittern… OK, Schmerzen sind nichts was was man sich oder anderen wünscht, klar, doch die “Abenteuer” bei denen nicht alles glatt lief möchte ich keineswegs missen. Und mit jeder Aktion/Geschichte, die ein glückliches Ende findet wächst die Zuversicht für das nächste Erlebniss die Zuversicht nicht zu verlieren – oder? Was uns nicht sofort umbringt macht uns härter… sagt man 🙂
      Und ja – Madeira sei dir ans Herz gelegt – uns gefallen auch die Temperaturen besonders gut – nie richtig heiss und nie richtig kalt, unsere Wohlfühltemperatur.
      Heute Abend geht der letzte Teil der Madeira Berichte online… ich wünsche schon einmal ein schönes Wochenende. Wir fahren gleich zu viert nach Amsterdam. Dort ist es auch bei Regen schön 🙂 Liebe Grüße Petra

      1. Hallo Petra, wir haben bei uns ein Angebot entdeckt in einer Zeitung von Leuten, die ein Appartment in Camico (?) haben, angeschlossen an ein Hotel, hinein gebaut in die Felsen. Die vermieten das für 600 € für 2 Wochen/2 Personen. Verpflegung nicht dabei, Auto mieten wäre natürlich auch notwendig. Wir checken das im Moment evtl. für Mai erst mal. Hattet ihr eine Ferienwohnung? Flüge privat organisiert. Die gibt’s hier ab Stuttgart teilweise auch recht günstig. Du kannst mir das gerne auch mal privat mailen an aktiv60plusblog(at)gmail.com
        Gute Tipps sind immer hilfreich. Liebe Grüße, Sigrid
        P.S. den Bericht lese ich morgen.

  2. Ach Petra – ich fühle so mit dir! 😀 Es war zwar nicht in Funchal und auch nicht zu Fuß, aber auf Bali haben wir uns für einen Tag Fahrräder gemietet und die Gegend um Ubud erkundet. Und der Rückweg am späten Nachmittag nach einem langen Tag in der knallenden Sonne und den immer knapper werdenden Wasserreserven einen steilen, ewig langen Berg hoch auf einer viel befahrenen Straße neben Rollern, Autos und LKWs hat mir auch fast den Rest gegeben. Ich war auch kurz davor, mich weinend auf den Boden zu werfen.
    Oben angekommen gab es dann aber ein tolles Café mit Blick über die Reisfelder und herrlich kalten Melonensaft – wie du habe ich es auch überlebt 😀

    Liebe Grüße
    Magdalena

    1. Ach wie schön zu lesen danke Magdalene! Deine Geschichte ist auch zum ‘mitheulen’ und nachträglich trösten was uns nicht umbringt macht uns härter… sagt man so

      Besten Dank für deine nette Geschichte!! Und noch einen schönen Tag wünscht die
      Petra

  3. Auch ich kann Deine “Leiden” nachvollziehen. Als Ehemann einer begeisterten Sportwanderin, bleibt mir auch so manche Strecke zu Fuß nicht erspart. Eure Verweigerung der Kobrschlittenfahrt kann ich bestens verstehen. Uns war auch der Preis (typischer Touri-Preis) für dieses fragwürdige Vergnügen zu hoch. Da hat Madeira wirklich noch andere schöne Sachen zu bieten.

    1. Danke Kai freut mich sehr deinen Kommentar zu lesen Definitiv hat Madeira schöneres zu bieten- wir waren an vielen schönen Ecken und am meisten fasziniert uns immer noch Natur und Landschaft. Eine Zusammenfassung folgt im nächsten und letzten Madeira Beitrag bald…

  4. Oh, ich kann sehr mit Dir mitfühlen, ich kenne diese Situationen sehr gut, Du Arme ! Im Nachhinein kann man darüber lachen, aber es ist schon dramatisch. Vor allen Dingen ohne richtig gegessen zu haben.
    Die Korbschlitten haben wir auch nicht bestiegen, das war uns zu albern.
    Das Schönste woran ich mich erinnere war der Silvesterabend. Wir waren auf einer Dachterrasse am Berghang und das Feuerwerk war gigantisch. Vor Madeira lagen zig Kreuzfahrer, am Morgen waren alle wieder fort.
    Hauptsache alles gut überstanden.
    Herzliche Grüsse aus dem Rheinland !

    1. Danke liebe Petra für deine netten wie tröstenden Worte Die Korbschlittenfahrt ist ein solches MUSS und völlig überteuert, da können wir auch gut mal nein sagen. Silvester in Funchal ist echt der Knaller Damit wird sich der nächste und letzte Madeira Reisebericht beschäftigen… Ach, ich könnte direkt für 2018 wieder buchen Liebe Grüße

      1. Ja, für das Silvester Feuerwerk würde ich auch sofort noch einmal hinfliegen. Ich glaube es war das beste Feuerwerk was ich je erlebt habe !!!!!
        Aber jetzt müssen wir erst einmal 1 Jahr warten.
        Herzliche Grüsse aus dem Rheinland, von Petra an Petra

Besten Dank für deinen Kommentar und bis zum nächsten Mal...