Der schönste Zugang in die Altstadt Fès el-Bali erfolgt durch das Bab Boujeloud

RUNDREISE MAROKKO: FES – AUSFLUG INS MITTELALTER

Heute besuchen wir Fès, die älteste der 4 marokkanischen Königsstädte. Das Gründungsdatum der Stadt liegt im 8. Jahrhundert und dementsprechend werden wir im Labyrinth der Straßen ins Mittelalter zurückversetzt. Außerdem besuchen wir Sehenswürdigkeiten wie die berühmte Karaouine–Moschee, die Hochschule Medersa Attaryne und das Grabmal My Idriss. Im Handwerkerviertel erfahren wir viel Interessantes z.B. über die Gerberei und andere alte Handwerke. Träum dich nach Marokko…

 

20160525 FES COLLAGE

 

 

Die mächtige Festungsanlage Borj Nord
Die mächtige Festungsanlage Borj Nord

Unser erstes Tagesziel: Die mächtige Festungsanlage Borj Nord. Von der Terrasse aus bietet sich ein sagenhafter Blick auf Fès.

Unser Reiseleiter hat nicht ganz Unrecht, wenn er sagt, dass der Blick von hier oben nicht vermuten lässt wie emsig und zahlreich sich die Menschen in der Altstadt tummeln.

Das werden wir uns gleich einmal aus der Nähe anschauen. Wir sind sehr gespannt und werden im Laufe des Tages so manches Mal staunen. Eine kleine Zeitreise…

 

 

Die alte Hauptstadt Fes ist die älteste der vier Königsstädte in Marokko und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Fes wurde im 8. Jahrhundert gegründet, zum Mittelpunkt des geistigen Lebens in Marokko ausgebaut und ist somit eine der heiligen Städte des Islam geworden.

 

Das Stadttor Bab Bou Jeloud mit seinen Blauen Kacheln ist der Eingang zur Medina
Das Stadttor Bab Bou Jeloud mit seinen Blauen Kacheln ist der Eingang zur Medina

Mit seinen mittelalterlichen Gassen, den vielen Minaretten und alten Häusern gehört Fes gewiss zu den schönsten Städten von Marokko.

 

Altstadtgewirr... herrlich!
Altstadtgewirr… herrlich!

 

Die Tala’A Kbira, die Hauptachse der Altstadt, der sogenannten Medina ist am frühen Vormittag noch nicht so sehr besucht und wir können uns in Ruhe umsehen.

 

Fricher Fisch gefällig?
Fricher Fisch gefällig?

 

Die Medina von Fès gilt als die größte Nordafrikas. Ihre Gesamtfläche umfasst rund 2,8 Quadratkilometer (280 Hektar), was in etwa der Fläche von 400 Fußballfeldern entspricht.

Seit 20 Jahren steht die Medina als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco.

 

Tradionell werden sämtliche Ware in der Altstadt durch Lastesel transportiert
Tradionell werden sämtliche Ware in der Altstadt durch Lastesel transportiert

 

Lastesel transportieren Felle durch die Gassen und gackernde Hühner wechseln die Besitzer.

Wären da nicht die Vorliebe der Marokkaner für das mobile Telefonieren und die Mopeds, die sich elegant durch das Gedränge schlängeln, man fühlte sich ein gutes Jahrtausend zurückversetzt.

So weit reichen die Wurzeln von Fès, der einstigen Hauptstadt Marokkos, zurück.

 

 

Nicht selten müssen wirden geschäftigen Lasteseln oder Mopets ausweichen
Nicht selten müssen wir den geschäftigen Lasteseln oder Mopets ausweichen

 

Dabei gilt die älteste der vier marokkanischen Königsstädte noch heute als geistiges, kulturelles und wissenschaftliches Zentrum des Landes – fast so, als hätte das französische Protektorat, dem die Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterstand, nie existiert; als hätten die Franzosen nicht Rabat zur neuen Hauptstadt gemacht, als hätte es die Auseinandersetzungen, die erst mit der Unabhängigkeit Marokkos 1956 endeten, nie gegeben.

 

Auf dem Seffarin-Platz haben sich die Kesselmacher und -flicker angesiedelt
Auf dem Seffarin-Platz haben sich die Kesselmacher und -flicker angesiedelt

 

In diesen Gassen gefällt es uns am besten. Die Handwerker sitzen auf der Straße und gehen ihrer Arbeit nach. Ein riesiges lebediges Freilichttheater.

Die Gruppe zieht weiter und einmal mehr denke ich daran wie schön es wäre alleine hier unterwegs zu sein. Also nicht ganz alleine sondern zu zweit natürlich.

Diese Tour dient ja quasi der Erkundung des Landes. Können und wollen wir mit dem Wohnmobil hierher fahren? Die Erlebnisse der ersten vier Tage beantworten diese Frage ganz klar mit: JA!!

 

 

Die riesige Bottiche und Kupferkessel finden in erster Linie bei großen Festen und Hochzeiten ihre Verwendung.
Die riesige Bottiche und Kupferkessel finden in erster Linie bei großen Festen und Hochzeiten ihre Verwendung.

Und nach einer Weile landen wir am berühmtesten Bauwerk in der Altstadt, El Bali. Die Färberei und Gerberei von Fes und sollte auf jeden Fall besucht werden.

 

Typisch für Fès ist die immer noch traditionelle Färberei und Gerberei
Typisch für Fès ist die immer noch traditionelle Färberei und Gerberei

 

Man kann man sie von außen nicht sehen, denn in den verwinkelten Gassen der Medina kann man seinen Blick nicht in die Ferne schweifen lassen.

Vorbei an Ledertaschen, Jacken, Lederhosen und -röcke steigen wir über ein unübersichtliches Treppengewirr über einige steile, dustere Treppen empor.

 

Lindert den Gestank nur ein wenig: Pfefferminzbüschel direkt unter der Nase
Lindert den Gestank nur ein wenig: Pfefferminzbüschel direkt unter der Nase

 

Beim Aufstieg zur Aussichtsplattform des meistfotografierten Viertels erhalten wir ein Büschel Minze gegen den Geruch.

Oben angekommen, weiß man warum. In den riesigen, farbenfroh leuchtenden Steinbottichen, auf die man nun schaut, wird Schaf-, Ziegen-, Kuh- und Kamelleder seit Jahrhunderten auf die gleiche Weise gegerbt – mit Taubenkot.

Noch immer wird der Beruf des Gerbers vom Vater an den Sohn weitergegeben.

 

In den ca. 1,00 m tiefen weißen Laugenbottichen werden die Felle gegerbt
In den ca. 1,00 m tiefen weißen Laugenbottichen werden die Felle gegerbt

 

In den hellen, fast weißen Gruben befindet sich eine Brühe aus Kalk und Taubenkot. Hier werden die Felle zunächst gegerbt.

Hiermit ist auch der Geruch (Gestank trifft es eher) erklärt.

Danach werden die fertigen Häute mit ausschließlich pflanzlichen Mitteln gefärbt. Mohn bewirkt eine rote Färbung, Safran sorgt für die Gelbfärbung und Indigo für die Blaufärbung.

Anschließend werden die gefärbten Häute zum Trocknen auf die angrenzenden Terrassen gelegt.

 

 

Die gegerbten Felle werden anschließend gefärbt
Die gegerbten Felle werden anschließend gefärbt

 

Wir bestaunen die fast mittelalterlichen Arbeitsweisen. Bei der Recherche (wie so oft erst nach der Reise) lese ich, dass erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts hierzulande die ersten Dampfmaschinen eingesetzt wurden.

Neben dem Antrieb der Maschinen wurde der Dampf auch zur Herstellung konzentrierter Gerbextrakte verwendet. Diese ermöglichten eine Verkürzung der Gerbzeiten von mehreren Monaten auf einige Wochen.

Dadurch entstand eine rationell arbeitende, stark wachsende Gerbindustrie. Mitte des 19. Jahrhunderts war das Lederhandwerk der drittgrößte Gewerbezweig im Deutschen Reich.

Um 1840 wurden die ersten Gerbereimaschinen entwickelt. Bis dahin erfolgte die Bearbeitung immer noch manuell, seit der Steinzeit nur wenig verändert. Die Herstellung von Leder war im Mittelalter in unseren Breitengraden ein schmutziges und buchstäblich anrüchiges Gewerbe. Hier oben in Fés unweit der stinkenden Gruben ist dies sehr anschaulich und verständlich.

 

Leder in allen Farben - für uns allerdings "Nein danke!"
Die Babouches genannten Lederlatschen sind besonders typisch für Fès. Für ein handgefertigtes Paar braucht ein geübter Handwerker rund zwei Tage.

Die Lust nach dieser Besichtigung ein ledernes Reiseandenken zu erwerben geht bei uns gen Null! Und es stellt sich die Frage ob wir uns in Zukunft nicht vor einem „Lederkauf“ an diese Eindrücke erinnern sollten?! Wer braucht Leder?

 

Die Koranschule Medersa Bou Inania
Die Koranschule Medersa Bou Inania

 

MEDERSA ATTARINE

 

Die Medersa Attarine in Fès ist eine ehemalige Koranschule (1)
Die Medersa Attarine in Fès ist eine ehemalige Koranschule (1)

 

Die Medersa Attarine in Fès ist eine ehemalige Koranschule (2)

 

Die Medersa Attarine in Fès ist eine ehemalige Koranschule (3)

 

Die Medersa Attarine in Fès ist eine ehemalige Koranschule

Die Medersa Attarine in Fès ist eine ehemalige Koranschule und zusammen mit anderen Bauten gehört sie zur von der UNESCO im Jahr 1981 als Weltkulturerbe anerkannten Medina von Fès.

Die reichlich verzierten Wände sind sehr bemerkenswert und lohnen einen Besuch.

 

Die Qual der Wahl beim gemensamen Mittagessen
Die Qual der Wahl beim gemensamen Mittagessen

 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen und zurück am „blauen Stadttor“ nutzen Frank und ich die Zeit zur freien Verfügung auf der Dachterrasse des Hotel Jardin.

Das Hotel ist allein schon wegen seiner Einrichtung einen Besuch wert. Kommt ihr mit nach oben auf´s Dach?

 

 

Wir sind die einzigen Besucher hier oben und genießen in der Sonne sowohl die Aussicht und auch ein wenig die Ruhe.

 

Das blaue Tor von Fes
Das blaue Tor von Fes

 

So wie sich sich das blaue Tor von Fes hervorragens als Startpunkt für eine Entdeckungstour durch die Medina eignet so endet hier  heute unser Spaziergang. Den Rest des Tages verbringen wir am Pool des Hotel.

Fazit: Fes mit seinen engen Gassen in der Altstadt, den fleissigen Handwerkern auf der Straße mit seinen Gerüchen und bunten Farben gehört aus unserer Sicht gewiss auf den Tourenplan.

Morgen setzen wir unsere Marokko Rundreise fort und schauen uns in Marrakesch um.

Klickt euch gerne direkt zur Fortsetzung oder schaut wieder vorbei, denkt wie immer daran:

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Korrekturen? Fein, nur her damit – ich freue mich über Mails und Kommentare! Das Formular findet ihr wie immer am Seitenende!

4 Kommentare

  1. Hallo Petra, wieder ein wunderbarer Bericht. Wir haben Marokko auch auf unserer Wohnmobil-Reise-Wunschliste. Und du bestätigst unsere Einschätzng Marokko mit dem Wohnmobil ist wohl ein Muss.

    1. Hallo zurück,
      danke für´s Lob, freut mich natürlich sehr. Ehe der Bericht falsch verstanden wird – diese Reise haben wir organisiert im Bus erlebt.
      Wir sind aber nach zwei Wochen Marokko ganz sicher diese Tour noch einmal mit dem Wohnmobil zu fahren. Marokko hat unheimlich viel Schönes zu bieten. Leider fehlte die Zeit sich auch einmal der traumhaften Landschaft und Natur zu widmen. Auf dieser Reise standen die Königsstädte im Mittelpunkt – auf unserer Tour ganz gewiss auch das Hinterland und das Land als solches.
      Beste Grüße
      Petra

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