REICHLICH KÄSE IN ALKMAAR UND DIE HÖLLE IN PETTEN

„Zeit, dass sich was dreht“ war 2007 ein ziemlich erfolgreicher Titel von Herbert Grönemeyer und sorgte auf allen Livekonzerten für ausgelassene Stimmung. An unserem Wochenende in Nordholland dreht sich auch so einiges.

In Alkmaar dreht sich auf dem Käsemarkt alles um den Käse und in den Gassen dreht sich die Walze der Drehorgel. Die Räder der Windmühlen drehen sich sowieso und in Petten drehen sich die Räder sportlich schnell und verwandeln den kleinen Ort im Nordwesten Hollands in „The Hell of Petten“.

Was wir erlebt und was uns gefallen hat am Wochenende in Nordholland? Lest selber… 

Im vorherigen Reisebericht haben wir uns mit folgenden Worten verabschiedet: „Am nächsten Wochenende fahren wir zu sechst mit drei Wohnmobilen nach… wissen wir noch nicht!

Wir warten mit dieser Entscheidung noch bis uns die Wettervorhersage irgendwo Sonne verspricht und werden berichten.“

Keine guten, aber halbwegs ausbaufähige Wetteraussichten lassen unsere Entscheidung auf das Reiseland Holland fallen. Zunächst einigen wir uns auf Amsterdam allerdings sind wir nicht bereit in der Vorsaison 18,00 Euro + 2,50 Euro Kurtaxe p. P. für einen Stellplatz zu bezahlen.

Ich schlage Petten vor und nach einigen weiteren Überlegungen einigen wir uns tatsächlich zu sechst auf Petten. Da wir zu unterschiedlichen Zeiten aus verschiedenen Richtungen anreisen, aber auf dem Hinweg direkt an Alkmaar vorbeikommen vereinbaren wir „Treffpunkt Freitag 10 Uhr Käsemarkt Alkmaar“ und gesagt getan schauen wir uns das Spektakel gemeinsam an.

 

KÄSEMARKT ALKMAAR – WELTWEIT BEKANNT

 

Käse kaufen kann man daheim auf jedem Wochenmarkt in den Niederlanden sowieso. Allerorten stehen stets einige Stände mit Echt Hollandse Kaas auf dem Markt. Auch in den Supermärkten gibt es normalerweise eine Käsetheke, hinter der sich die goldgelben Käselaibe in verschiedenen Reifegraden stapeln.

Der Käsemarkt in Alkmaar ist aber nicht etwa ein Markt mit Ständen an denen die unterschiedlichen Käsesorten präsentiert werden sondern ein Event.

Seit fast 400 Jahren findet jeden Freitag zwischen April und September auf dem Waagplein (Waageplatz) der größte niederländische Käsemarkt von Alkmaar statt. Eine Mischung aus ernsten Geschäften und einem touristischen Großereignis.

 

Obwohl das Wetter an diesem Freitag sogar noch Regen voraussagt ist der Platz hinter den Absperrungen bereits in Zweier- und Dreireihen gut besucht. Wer also wirklich gut stehen und sehen möchte sollte zeitig anreisen.

 

Offiziell beginnt der Markt um 10 Uhr, aber schon Stunden vorher sind die sogenannten Setzer schwer beschäftigt. Ab 7 Uhr treffen die vollbeladenen LKW mit Käse aus den Fabriken ein. Die Setzer haben die Aufgabe, diesen Käse perfekt auf dem Marktplatz zu stapeln.

 

Der Käse wird auf der hölzernen Tragbahre transportiert, die zwischen den Käseträgern hängt, und auf der jeweils ca. 8 Laibe Gouda von je 13,5 kg liegen.

Bis spätestens halb zehn liegen nach getaner Arbeit zwischen 700 und 1000 Käselaibe in langen Reihen die in etwa 30 Tonnen Gouda entsprechen. Ein Käselaib hat in etwas den Wert von 150,00 Euro.

 

Die Händler sehen sich den Käse an, verhandeln den Preis und kaufen per Handschlag. Danach treten die Käseträger in Aktion. Sie holen jeweils 8 Laib Käse zu je 13 Kilogramm im Laufschritt mit einer Bahre und bringen ihn im Gleichschritt zu einer Waage im Waagegebäude.

Es soll einfach aussehen, aber wenn man den Trägern ins Gesicht schaut sieht das bemühte Lächeln schon ein wenig angestrengt aus. Bei gut 100 kg Traglast wundert das nicht wirklich.

 

Das Gehen mit einer so schweren Bahre (25 kg), die um die 130 kg wiegt, will durchaus geübt sein. Die Käseträger haben dafür einen speziellen ‘Trippelschritt’, einen einstudierten Gehrhythmus, der das Tragen erleichtert.

Im Waagegebäude wacht ein städtischer Beamter, der sogenannte Waagemeister darüber, dass dem Käufer das richtige Gewicht berechnet wird und notiert den ‚Wegbewijs‘ der Käseträger.

Durchschnittlich läuft jeder Käseträger zwanzig Mal in einer Stunde oder alle drei Minuten mit 100 kg über den Platz. Nicht zu fluchen ist aber einer der Bräuche und Gepflogenheiten auf dem Käsemarkt und daher lautet das Motto: lächeln und weiterlaufen.

 

 

Vor dem Marktschluss um 12.30 Uhr muss der gesamte Platz wieder ‘käsefrei’ sein, damit alle Straßencafés ihre Stühle wieder aufstellen können.

Insgesamt gibt es vier Gruppen von Käseträgern – sie bilden die Käseträgergilde. Eine Ehrenaufgabe, eine Art ruhmreicher Nebenjob.

Sie unterscheiden sich durch die verschieden farbigen Strohhüte, der Schleife und der Farbe der Tragbahre: rot, gelb, grün und blau. Der Käsevater trägt einen orangenen Hut.

Er ist das Oberhaupt der vier Gruppen die aus jeweils 7 Leuten besteht.

 

Zur allgemeinen Unterhaltung gehen die Bediensteten mit einem Käselaib an den Absperrungen vorbei und wer mag kann dieses gewichtige Käsestück umarmen und sich, ehe die Kraft in den Armen nachlässt, fotografieren lassen.

Insgesamt ein sehenswertes Spektakel das uns allen gut gefallen hat. Alle wichtigen und aktuellen Informationen findet ihr am Ende des Berichtes.

Aber irgendwann haben wir genug Käse gesehen und machen uns gemeinsam auf den Weg das „Städtchen“ Alkmaar zu erkunden.

 

Das Stadtzentrum der Stadt ist der Waageplatz, in dessen Umgebung die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen. Das Gebäude des Waagehauses wurde 1390 gebaut und diente bis zum Ende des 16. Jahrhunderts als eine Kapelle.

Auf dem Kassandra-Platz steht die, Anfang 16. Jahrhunderts erbaute, „Grote Kerk“ (große Kirche). Viele Touristen besuchen dieses Gebäude um das Spiel der alten Orgel zu hören.

Uns ist aber weder nach Kirchen noch nach Orgelspiel. Wir laufen lieber durch die kleinen Gassen und später ein Weilchen an den Grachten entlang.

 

In den kleinen Seitenstraßen von Alkmaar verführen bezaubernde Läden mit ausgefallener Mode und kreativen Schmuckstücken. Mir gefallen die ausgefallenen Läden mit nostalgischen Stühlen, Lampen und Tischen besonders gut.

Wir hätten unseren Rundgang durch Alkmaar noch mit einem Museumsbesuch abrunden können denn die Auswahl ist abwechslungsreich. Es gibt ein Biermuseum, sinnigerweise ein Käsemuseum und für die Beatles Fans ein Beatles-Museum.

 

Stattdessen bestaunen wir die Windmühle Piet an der wir zufällig vorbeikommen ehe wir uns auf den Weg nach Petten machen.

 

Ehe wir uns nach Petten verabschieden noch eine kleine Zusammenfassung unseres Alkmaar Besuches:

 

PETTEN UND CAMPING CORFWATER

Wie ihr kennt Petten nicht? Ok, bis Ostern dieses Jahres haben wir auch noch nichts von diesem kleinen Ort in Nordwesten der Niederlande gehört.

Über Ostern waren wir allerdings keine drei Stunden auf dem dortigen Campingplatz als ich zu Frank sagte „Der Pössl wird über Ostern erst bei Abreise wieder bewegt, hier ist es sooo schön!“ „Das ist ja mal was ganz Neues! Gefällt mir!“ lachte Frank. Und tatsächlich sind wir nach drei Tagen in Petten nur höchst ungern wieder Richtung Heimat gefahren.

 

Ob es den anderen dort auch gefällt? Es ist ja immer spannend und auch ein wenig riskant, wenn man Empfehlungen ausspricht. Schließlich haben wir uns zu sechst auf unser kleines Wohnmobiltreffen gefreut und da soll der Standort schon allen gefallen.

 

Wir stellen unseren Pössl auf dem gleichen Stellplatz wie über Ostern ab und die anderen finden nach einigen Versuchen auch die richtige Ausrichtung auf dem teilweise recht schrägen Gelände. Wozu hat man schließlich Keile dabei?

 

Und während die einen tragende bzw. stützende Funktionen übernehmen sitzen die anderen im Gras und trinken Kaffee. OK Anja, du hast den vergeblichen Versuch ein Vorzelt aufzubauen dokumentiert. Ohne diese Tätigkeit könnten wir hier diese Bilder nicht zeigen.

Aber so sehr wir uns auch mühen hauen die Windböen die Träger der Markise einfach wieder heraus. Ehe sich das Vorzelt nachts verselbstständigt und direkt auf unseren Pösl stürzt oder das andere Womo beschädigt wird der Versuch nach einer Weile eingestellt und das schöne Vorzelt wieder verpackt.

Ehe wir zum gemütlichen Teil übergehen erkunden wir den Strand und testen die dortige Gastronomie. Es ist ganz schön windig an diesem Nachmittag aber hinter den massiven Windschutzwänden des Strandpaviljoen ‚Zee en Zo‘ lässt es sich aushalten.

 

In warme Jacken und Decken gehüllt sitzen wir danach draußen beim Essen und lassen anschließend den Abend im Wohnmobil gemütlich ausklingen. Es wurde spät, sehr spät…

PETTEN – STRAND UND DÜNEN

Dementsprechend schläft der ein oder andere am nächsten Morgen ein Stündchen länger. Ich bin allerdings zeitig wach und mache mich allein auf den Weg an den Strand.

Hatte ich erwähnt dass sich das Regenrisiko von anfänglich 60% für den Freitag im Laufe des Tages auf 10% reduziert hat? Geregnet hat es auf der Fahrt von Alkmaar nach Petten und davor und danach nicht mehr. Glück gehabt!

 

Sonne pur lautet das Motto am Samstag. Ok, der Wind pustet uns die Haare durcheinander aber das macht eher nur den weiblichen Teilnehmern mit den längeren Haaren zu schaffen. Über den strahlend blauen Himmel freuen wir uns alle gleichermaßen.

 

Als erstes zieht es mich, wie sollte es anders sein, auf den 75 Stufen hohen Aussichtshügel. Ich bin am frühen Morgen noch recht alleine hier und das ist gut so.

 

Von dort oben entdecke ich seltsam Pfähle am Strand. Warum waren die mir beim letzten Mal nicht aufgefallen? Also laufe ich die 75 Stufen wieder bergab und mache mich auf den Weg zu diesem seltsamen „Kunstwerk“.

 

Auf dem Weg dorthin entdecke ich Minihügelchen am Strand.

Die Muscheln thronen auf kleinen Erhebungen da der Wind rundherum den Sand weggeblasen hat.

 

Stellenweise gibt es Höhenunterschiede von bis zu 3 cm.

Jetzt aber mal flotti zu den „Stelzen am Strand“ ehe das Handy „Frühstück fertig“ verkündet.

 

Mensch was brauchst du mehr? Meer! Wie wahr dieser Spruch doch ist…

 

Ist das Kunst oder kann das weg? Kann mir jemand sagen um was es sich hier handelt?

Es sieht auf jeden Fall toll aus und es dauert eine Weile und zig Bilder bis ich diese Pfähle von allen Seiten betrachtet und fotografiert habe.

Und dann piepst das Handy „Frühstück fertig, wo bist du?“ und ich mache mich auf den Rückweg.

Um die Mittagszeitmachen wir uns zu sechst auf den Weg nach St. Maarten an Zee. Am Strand entlang laufen wir die 3 km bis zum „Strandpaviljoen NewZuid Sint Maartenszee“ und nach einer kühlen Hopfenschale und einer Portion Patat machen wir uns wieder auf den Rückweg.

Konnten wir auf dem Hinweg am Strand den Rückenwind nutzen ist es auf dem Rückweg in den Dünen ein wenig windgeschützter.

Wie schon im Reisebericht „Petten zu Ostern“ erwähnt sind die Wanderwege gut beschriftet.

 

Ein Lurch oder eine Kaulquappe? Tja, da haben wir im Biologieunterricht scheinbar nicht aufgepasst.

Unterwegs reizt uns die große Düne und es hält uns nichts davon ab diese zu erstürmen. Ob betont lässig oder auf allen vieren ist doch egal – Hauptsache man kommt oben an… die Aussicht ist auf jeden Fall herrlich und lohnt die Kraxelei.

Bergab geht es natürlich etwas einfacher… und kurze Zeit später erreichen wir schon wieder den Campingplatz und erholen uns von den Strapazen.

 

„Hört ihr das auch? Es scheint in der Stadt eine Veranstaltung zu geben!“ Die Musik und die Kommentare des Moderators können wir auf dem Campingplatz mehr als deutlich hören.

Frank und ich machen uns auf den Weg um der Sache auf den Grund zu gehen und zack stehen wir mitten in der „Hölle von Petten“.

 

Haben wir uns gestern am Strand noch über die ganzen Rennradler gewundert sind wir binnen und kurzer Zeit am Samstag hin und weg. Das vorausfahrende Motorrad signalisiert die heranschnellenden Radsportler die in einer rasanten Geschwindigkeit zahlreich an uns vorbeiflitzen. Woooowwww!

Im Zentrum von Petten sind Start und Ziel aufgebaut und auch eine kleine Bühne um die Sieger von „Hel of Petten“ (Die Hölle von Petten) zu ehren steht bereit

Am Freitagnachmittag sind die 106 Teilnehmer oben auf dem Deich 10,6 km auf Zeit gefahren und heute fahren sie 30 Runden á 7,7 km um Petten herum. Rasant und echt spannend aber nach 5 oder 7 Runden zieht es uns doch wieder zu den anderen zurück.

Den heutigen Grillabend können wir mehr oder weniger ohne Jacke genießen und der anschliessende kollektive Abwasch ist auch ruckzuck erledigt.

 

Nur den herrlichen Sonnenuntergang verpasse ich knapp. Als ich final zum letzten Mal an diesem Wochenende zum Deich hochlaufe ist der riesige Feuerball bereits am Horizont verschwunden…

 

Nachfolgend eine kleine Zusammenfassung unserer Wanderung und Eindrücke des rasanten Radrennens.

 

Ergänzende Links zu diesem Reisebericht:

Reiseland Holland in deutscher Sprache mit vielen Info: HOLLAND

Lange nicht im Radio gehört: Zeit, dass sich was dreht

Alle Informationen zum Käsemarkt: Kaasmarkt

Weitere Info zu Alkmaar bei Wikipedia: Alkmaar

Schaut euch gerne die Seite vom Campingplatz in Petten an: Camping Corfwater

Lesenswerte Details zum Käsemarkt: KÄSEMARKT ALKMAAR

Das komplette Bilderbuch zu diesem Wochenende gibt es mit Klick hier

Der Reisebericht ist auf den letzten Drücker vor dem Sommerurlaub fertig geworden… daher gilt, wer Rechtschreibfehler oder sonstige Ungereimtheiten findet darf sie melden oder behalten.

Ich bin ziemlich aufgedreht und will diesen Bericht noch vor Fahrtantritt fertigstellen. Schlimm genug, dass die „Karibik“ immer noch auf Vollendung wartet.

Mittwoch (also heute) machen wir uns mit dem Wohnmobil auf den Weg nach Barcelona.

Damit uns aber unterwegs nicht langweilig wird haben wir die 4000 km (vermutlich eher 5000 km) lange Reiseroute über die Bretagne ausgewählt. Die durchstöberten Reiseführer versprechen so einige Highlights.

 

Wir sind jedenfalls mehr als gespannt und werden berichten – schaut also wieder vorbei und denkt wie immer daran:

 

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

Hauptsache glücklich und jede(r) wie er/sie mag.

Ihr habt Fragen oder Anregungen, Kritik oder Korrekturen? Fein, ich freue mich über eure Post:

Ich bin gespannt auf euren Kommentar...