ILE DE RE – ODER MEILENWEIT FÜR ZWEI BAGUETTE

Eine Liebeserklärung an die schöne Ile de Ré, einer Wanderung von sechs Stunden um zwei Baguette zu kaufen und Sightseeing in Saint-Clément-des-Baleines und Ars-en-Ré. Kein Highlighttag als solcher aber dennoch ein unvergesslicher Tag an der frischen Luft und dem Glück, dass wir das gute Wetter oft auf unserer Seite haben.

In der letzten Nacht sind wir bzw. der Pössl ordentlich durchgeschüttelt worden und der Sturm hat für reichlich seltsame Geräusche gesorgt. Solche Störungen bemerke ich nachts nicht denn nachts wird geschlafen. Ich behaupte sogar, dass ich bei solch Geräuschkulisse noch besser schlafe.

Nicht so der liebe Ehemann! Er ist licht- und geräuschempfindlich und aus diesem Grunde hat er in der vergangenen Nacht kaum eine Auge zu getan. Das Wetter hat gehalten was die App versprochen hat. Gut, dass wir das Vorzelt gestern wieder abgebaut haben.

 

Ich bin früh putzmunter und mache mich trotz Nieselregen auf den Weg zum Leuchtturm.

 

PHARE DES BALEINES – LEUCHTTURM DER WALE

 

Der Leuchtturm in Saint-Clément-des-Baleines, den wir vom Schlafzimmerfenster unseres Rollhotels aus sehen können, wurde zwischen 1849 und 1854 erbaut.

Seinen Namen verdankt er dem Umstand, dass in der Vergangenheit häufiger Wale an diesem Punkt strandeten.

 

Mit seinen 57 Metern ist er doppelt so hoch wie der drei Kilometer vor der Insel auf einem Felsen erbaute, maritime Phare des Baleineaux.

Der Zugang zur Plattform erfolgt über eine 257-stufige Wendeltreppe. Die Lichtanlage des neuen Turms wurde im Winter 2010 komplett restauriert.

 

Die Aussicht habe ich bereits 2013 genossen und da zur frühen Stunde weder Leuchtturm noch das angrenzende Museum geöffnet sind laufe ich alternativ lieber am Strand entlang.

Es ist gerade Ebbe und vereinzelnd liegen die Boote komplett auf dem Trockenen. Die wilden Wolkenformationen bilden einen herrlichen Kontrast. Wie schön hier und jetzt einfach nur zu sein. Irgendwie passt sogar das Wetter zur Stimmung.

 

 

Den aufkommenden Kaffeedurst stille ich als einziger Gast kurze Zeit später in einem kleinen Café, dass eigentlich noch nicht geöffnet hat.

Während der Angestellte Tische abwischt,  Gläser spült und sogar noch den Boden wischt läuft arabische Musik. Laut, sogar sehr laut.

 

Mit Handzeichen und einem fragenden Blick fragt er ob mich die Lautstärke stört. Meine Antwort lautet „Daumen hoch“ und er sieht mir die Begeisterung scheinbar an der Nasenspitze an und dreht noch ein wenig lauter…

Und so sitze ich im Norden der Ile de Ré, höre arabische Musik und bin rundherum zufrieden. Welch Start in den neuen Tag.

 

 

Piep, piep würde mein Handy um 9:55 Uhr von sich geben wenn es nicht konsequent auf lautlos gestellt wäre. Ich entdecke die Whats App „rein zufällig“ und eile tatsächlich zum Wohnmobil zurück. Es geht doch nichts über „Fränki´s Kaffee“ im häuslichen Pössl.

Und während Frank sich danach um die Wagenpflege kümmert erledige ich ein wenig Hausarbeit. Und ehe wir uns versehen strahlt mittags die Sonne vom blauen Himmel.

 

So schön Rente und kein Blick auf Uhr und Kalender wären wir würden euch früher oder später schrecklich vermissen.

 

Besser als virtuelle ❤💋 und 🍸 sind Quatsch- und Trinkabende am Grill mit echten Freunden, feste Umarmungen und fette Kutscher – ach, dass Wochenende in Lathum zu sechst war wieder einmal ein Event… dazu irgendwann einmal mehr.

Die Ile de Ré ist bei uns jedenfalls mit einem ganz bestimmten Musiktitel verbunden…

 

Days like these lead to
Nights like this lead to
Love like ours
You light the spark in my bonfire heart

People like us, we don’t
Need that much
Just someone that starts
Starts the spark in our bonfire hearts…

 

 

 

„Wie wäre es mit einem Sekt?“ Da kann die Antwort doch nur lauten „Tolle Idee!“ Und so sind kurz vor Mittag Sturm, Wind, nasses Vorzelt und Regen wie weggepustet und die Sektflasche leer.

„Wir brauchen noch ein Baguette!“ „Dann sollten wir eines kaufen. Im Ort gibt es doch bestimmt einen Bäcker!“

Und so laufen wir gegen Mittags los, grobe Richtung Saint-Clément-des-Baleines.

 

 

SAINT-CLEMENT-DES-BALEINES

 

 

Die Île de Ré ist ein schmales Eiland im Atlantik. Die französische Insel lockt mit schönen Sandstränden, einem gemütlichen Hafen, romantischen Altstadtgassen und der gewaltigen Festungsanlage in Saint-Martin-de-Ré, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

 

 

Unser Wohnmobil steht auf dem Campingplatz in Saint-Clement-des-Baleines,  ist einer der kleineren Orte auf der Insel und ein Dorf ohne eigenen Hafen. Der Ort liegt sowohl an der Westküste und stellt zugleich den nördlichsten Punkt der Insel dar.

 

Der Küstenstreifen ist zum größten Teil ein Sandstrand mit zum Teil steinigem (felsigem) Untergrund, der es ermöglicht, bei Ebbe gut Muscheln und andere Meeresfrüchte zu sammeln.

Wie die meisten Orte der Insel lebt auch dieser im Wesentlichen von der Fischerei, dem Tourismus und von der Landwirtschaft. Es werden überwiegend Kartoffeln, Spargel, Gemüse und Wein angebaut.

 

Der leichte bis mittelschwere Sandboden erlaubt den Anbau von Kartoffelsorten, die es in Frankreich sonst nicht gibt. Sie sind die einzigen Kartoffeln in ganz Frankreich, die das Prädikat A.O.C. tragen dürfen.

Das Gemüse wird frankreichweit unter der eigens geschaffenen und geschützten Herkunftsbezeichnung Île de Ré vermarktet.

 

Jede Menge Kartoffeln, aber kein Bäcker und erst Recht kein Baguette. So lautet das Ergebnis nach einer Stunde Wanderung bis und durch den kleinen übersichtlichen Ort.

 

„Tja, dann laufen wir halt nach Ars-en-Ré – oder?“  Gesagt und getan… Wir laufen zunächst ein Weilchen an der kaum befahrenen Straße entlang entdecken dann aber den ausgewiesenen Radweg in Richtung Ars-en-Rè.

 

Kurze Zeit später laufen wir inmitten einer herrlichen Wiesen-und Weidenlandschaft und es scheint, als seien wir die einzigen Besucher weit und breit.

 

Die Wander- und Fahrradwege sind auf der Ile de Ré sehr gut ausgebaut und gut beschriftet und es macht einfach richtig viel Spaß hier entschleunigt zu laufen (oder zu radeln).

 

Das Fahrrad ist auf der Île de Ré das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Nicht nur, weil das Eiland flach wie Ostfriesland oder das Münsterland ist. Hier sind Laufen und Radfahren ein Erlebnis für die Sinne.

Man kann die Meeresbrise tief in die Lungen saugen, das Salz auf den Lippen schmecken. Man riecht die Kiefern, hört die Möwen kreischen hören und irgendwo in der Ferne glitzert das Meer. Die nachfolgenden Aufnahmen erinnern an Ile de Ré 2013.

 

 

Die Landschaft ist wunderschön und am liebsten würde man an jeder Ecke anhalten, egal ob man direkt am Meer, durch Pinien- oder Kiefernwälder hindurch oder an Sumpflandschaften und idyllischen Dörfern vorbei fährt.

 

Den Fahrradträger haben wir seit Jahren demontiert da wir viel lieber laufen. Man „schafft“ vielleicht nicht ganz so viele Kilometer, die dafür aber sehr intensiv und unabgelenkt.

 

 

ARS-EN-RÈ – DIE STADT MIT DEM SCHÖNEN KIRCHTURM

 

 

Ars-en-Ré liegt im Westen der Île de Ré und hat mit ca. 1300 Einwohnern anderthalb mal so viele wie Saint-Clement-des-Baleines. Von der Vereinigung Les Plus Beaux Villages de France“ wurde Ars-en-Ré zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erklärt.

 

Im Hafen wurden früher die Schiffe unserer niederländischen Nachbarn und aus den Skandinavischen Ländern mit Salz beladen.

Aus dieser Zeit stammt der teerschwarze Anstrich der oberen Hälfte des schlanken Kirchturms, der sonst völlig weißen Kirche Saint-Étienne. Der Kirchturm dienste seinerzeit als Seezeichen.

 

Der Westen der Insel ist in weiten Teilen überzogen von „weißem Gold“, von Salz, das sich in großen Wasserbecken an der Oberfläche absetzt. Fast überflüssig, zu erwähnen, dass auch viele Häuschen aus weißem Stein gebaut sind.

 

Yachten und Fischerboote dümpeln im Hafenbecken, die Häuserwände der Kaufmannshäuser schimmern weiß, die Fensterläden in Grün- und Blautönen.

Auch wenn wir 2013 schon zahlreiche Bilder des hübschen Kirchturmes eingefangen haben so kann ich auch während dieses Besuches nicht widerstehen.

Ehe wir aber vergessen weshalb wir uns auf den Weg gemacht haben ergattern wir um 18:15 Uhr tatsächlich die letzten zwei Baguette ehe die Bäckerei vor unserer Nase die Eingangstür schließt. Da haben wir aber noch mal Glück gehabt.

 

„Zur Stärkung vor dem Heimweg noch ein Bierchen?“ Welch dumme oder zumindest überflüssige Frage. Und als hätte es nur darauf gewartet lockt uns hinter der nächsten Kurve am Ortsrand von Ars-en-Ré eine gemütliche Kneipe in den Biergarten. Zum Wohle.

 

Im Nachhinein hääääätttte man sich diese Erfrischung vielleicht verkneifen können, denn als wir uns ein Stündchen und zwei Bierchen später auf den Heimweg machen sieht es am Himmel irgendwie gar nicht gut aus.

 

Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis sich diese Wolken dort oben entladen und uns bis auf den Schlüpper nachregnen werden.

„Und was machen wir mit den Baguette? Wenn die in den Regen geraten können wir sie auch gleich an die Möwen verfüttern.“

 

„Wenn ich sie unter der Jacke verstecke könnte das meiste davon trocken bleiben!“ Ok, ich hätte mich bei diesem Anblick auch ausgelacht, aber was macht frau nicht alles um für das Abendessen die Zutaten auf den Tisch zu bringen.

 

Punkt 20:18 Uhr erreichen wir nach gut 17 km Wanderrung unser Hotel auf Rädern, trockenen Fußes. Die Wolken haben wieder einmal einen Bogen um uns gemacht.

Dieser Tag wird uns gewiss als „Weißt du noch, als wir auf der Ile de Ré losgelaufen sind um mal kurz zwei Baguette zu kaufen?“ Ach, ich liebe solche Geschichten denn üblicherweise bleiben sie besser haften als die Reisetage an denen alles glatt lief – oder?

 

Das war jetzt kein wirklich spektakulärer Tag, gewiss nicht, da waren die Polizeirazzia in Lissabon, das „sich verlaufen in Kapstadt“ oder „mit dem Schiffskoch, der keiner war durch Luxor“ ganz andere Geschichten. Aber alle Erlebnisse haben eines gemeinsam: wir waren nie in Gefahr und wenn, dann wären wir die letzten die es gemerkt hätten.

Eine Portion Optimismus, einige Tropfen Nichtangst und Zuversicht, eine große Portion „Wir schaffen das“ und reichlich viel Reiseerfahrung lassen uns Zwei jedenfalls nicht so leicht verzweifeln.

 

Kosten des Tages: 2 Guiness für 10,00 Euro plus 1,50 Euro Trinkgeld und 1,80 Euro für zwei Bagutte.

Morgen müssen wir uns leider von der Ile de Ré und von der Atlantikküste  verabschieden und endlich zum Mittelmeer „rüber machen“, denn schließlich warten Franks Freunde ab Sonntag auf Mallorca. „Drei Tage mit den Kumpels auf Malle“ will Frank sich gewiss nicht entgehen lassen.

 

Wir werden noch so einige schöne Flecken in Frankreich entdecken (versprochen) – schaut also wieder vorbei und denkt wie immer daran:

 

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

Hauptsache glücklich und jede(r) wie er/sie mag

 

 

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