EINMAL BORKUM – IMMER BORKUM?

Am letzten Märzwochenende haben wir spontan von Harlesiel aus die östlichste der ostfriesischen Inseln, Wangerooge, besucht und zwei Wochen später die urige westliche Schwester Spiekeroog. Im Vergleich hat uns die kleine, urige Insel Spiekeroog irgendwie besser gefallen.

Ob und wie uns die westlichste und mit 30,74 km²  größte ostfriesische Insel, Borkum, gefallen hat erzählen wir euch in diesem Reisebericht.

 

 

 

Ist das Fährschiff von Emden aus zuerst auf der Ems und dann im offenen Wasser der Nordsee insgesamt 130 Minuten unterwegs beträgt die Fahrzeit ab Eemshaven (NL) lediglich eine Stunde.

 

 

Da fällt die Entscheidung leicht! Die Wettervorhersage verkündet für das lange 1. Mai Wochenende viel Sonne und so buchen wir sowohl die Fähre als auch zwei Übernachtungen auf dem Campingplatz im Voraus. Borkum wir kommen!

 

 

An dieser Stelle sei direkt der nette Mail Verkehr sowohl mit der Reederei als auch mit dem Campingplatz erwähnt. Alle Fragen wurden zeitnah und sehr freundlich beantwortet.

 

 

 

 

Das Wohnmobil ist am Donnerstagabend routiniert und schnell bepackt und so fahren wir abends direkt der untergehenden Sonne entgegen.

Unweit des Fähranlegers übernachten wir auf dem kostenlosen Stellplatz in Appingedam.

INFO zum Stellplatz gibt es mit Klick hier.

 

 

Am nächsten Morgen müssen wir am Fährterminal unseren Reservierungsbeleg noch in ein gültiges Fährticket umtauschen.

Der Andrang ist groß. Familien, Kegelclubs, Fußballmannschaften, alte und junge Inselbesucher freuen sich gleichermaßen auf „die Insel“ und sind entsprechend aufgeregt.

 

 

In der Schlange vor dem Terminalschalter belausche ich unfreiwillig ein paar Damen vor mir. „Ja… wir fahren seit fast dreißig Jahren nach Borkum! Erst nur über Ostern und dann auch einmal über Weihnachten.

Seitdem ist Borkum mindestens zweimal im Jahr Pflicht“ „Das ist bei uns fast genauso!“ ergänzt die andere Dame. „Unsere Kinder und mittlerweile auch die Enkelkinder fahren mehrmals im Jahr hierher.

 

 

 

Ich bin umgeben von Wiederholungstätern. Ob wir nach den drei Tagen auf Borkum auch „Auf Wiedersehen Borkum!“ sagen werden?

 

 

Leider steht auf dem Reservierungsbeleg nicht, dass der Fahrzeugschein benötigt wird und so muss ich mich auch ein zweites Mal in die Schlange einreihen. Aber was soll´s – hier läuft ja im Moment noch nichts weg.

 

Um 9:47 Uhr halten wir die gültige Fahrkarte in der Hand und um 10:02 Uhr fährt der Pössl als letztes Fahrzeug an Bord der Fähre „Münsterland“, wie passend.

 

 

Dick in unsere Winterjacken eingemummelt können wir die Fährfahrt an Deck verbringen. Als wir um 11:37 Uhr das Wohnmobil auf dem Campingplatz abstellen sind am strahlend blauen Himmel nur noch vereinzelnde Schäfchenwolken zu sehen.

Ob sich das Wetter tatsächlich so halten wird?

 

 

 

Nach einer Tasse Kaffee in der Sonne hält uns (also eher mich, Petra) nichts mehr – ich will ans Meer! Analog zu Wangerooge und Spiekeroog bietet auch Borkum einen unglaublich langen und schönen Strand.

 

Auf Borkum gibt es den Nord-, Süd- und Jugendstrand. Alle befinden sich an der Kurpromenade und werden von der DLRG überwacht. Typisch für Borkum sind seine bunt gestreiften Strandzelte.

 

 

Wir laufen bis zur Gezeitensauna und überlegen ob wir unseren Borkumaufenthalt mit einem Saunabesuch beginnen wollen. In der Sauna liegen und auf´s Meer schauen, keine so schlechte Idee.

Also laufen wir zurück zum Pössl, schnappen uns die Saunataschen und laufen die 2 km bis zur Sauna wieder zurück.

 

Nachmittags liegen wir entweder in Decken gehüllt in der Sonne und dösen vor uns hin oder schwitzen in der Panoramasauna und genießen dabei die herrliche Aussicht auf die Nordsee.

Ich hätte euch gerne die tolle Aussicht der Panoramasauna gezeigt, aber leider ist fotografieren in der Sauna (verständlich) verboten. Beste Grüße an Krümel und Günni – besten Dank für den Tipp mit der Sauna!

Als wir abends um 19 Uhr die Sauna wieder verlassen sind wir herrlich tiefenentspannt und hinter uns liegt ein wahrlich gemütlicher Nachmittag.

 

 

Die 50% Regenwahrscheinlichkeit, vor der uns die Wetter App noch während der Fährfahrt nach Borkum gewarnt hat löst sich mehr und mehr in Wohlgefallen auf und wir erreichen den Campingplatz sehr relaxed und trockenen Fußes. Welch herrlicher Tag!

Weitere Info zur Sauna im Gezeitenland gibt es mit KLICK hier!

 

 

Da die Riesenrutsche auf dem Spielplatz des Campingplatzes am Abend vorher noch verschlossen war nutze ich am nächsten Morgen die Gelegenheit den Platz und unser Womo von dort oben zu fotografieren.

Den „ostfriesischen Wetterdienst“ des Campingplatzes möchte ich euch ebenfalls nicht vorenthalten. Aber ich denke der blaue Himmel spricht für sich.

 

 

Nach dem Frühstück steht „Inselerkundung“ auf dem Programm und so laufen wir nach dem Frühstück in die City.

 

 

Egal aus welcher Richtung man sich dem Stadtzentrum nähert, der Neue oder auch Große Leuchtturm Borkum ist von weither sichtbar.

 

 

Was bietet sich mehr an, als sich einen Überblick von oben zu verschaffen? Nichts! Jedenfalls nicht für treppen- und stufenbegeisterte Menschen wie ich einer bin.

Also lautet das Kommando um halb zwölf „Nichts wie hoch!“ Lasst euch Borkum von oben zeigen. Die 315 Stufen der Wendeltreppe sind schnell erklommen und die Aussicht entschädigt jede einzelne.

 

 

Eine 1500 Watt Lampe (das Licht entspricht etwa der Leuchtkraft von 75000 Kerzen) leuchtet von hier aus 45 km hinaus auf die offene See.

 

 

Nachdem der Alte Leuchtturm Borkum abgebrannt war, entstand der neue Leuchtturm im Jahr 1879 in Rekordzeit. Zwischen der Grundsteinlegung am 1. Mai und dem Richtfest knapp fünf Monate später wurden insgesamt 1.526.000 rotbraune Klinker vermauert.

 

 

Weitere Info zu diesem Leuchtturm findet ihr mit Klick hier.

Wichtiger als zusätzliche Details ist uns die Aussicht – und die ist an diesem Samstagmorgen einfach grandios. Schaut doch mal…

 

Um Punkt zwölf schlendern wir an der Promenade entlang. Borkum erhielt erst 1850 den Seebadstatus. Anfangs galt Borkum als relativ billig und leger.

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs Borkum allerdings zu einem Zentrum des Fremdenverkehrs mit inzwischen über 160.000 Gästen pro Saison.

 

 

Obwohl einige Bauwerke entlang der Strandpromenade keine architektonischen Meisterleistungen sind, ist das vorwiegend weiße Gesamtbild einigermaßen ansprechend.

 

 

Vor der Promenade stehen 8 Strandbuden, in denen Getränke und Imbissspeisen angeboten werden. Borkum ist die einzige ostfriesische Insel, die diese sehr preiswerten Strandbuden während der Saison aufstellt!

 

Und in genau einer dieser Strandbuden stärken wir uns ehe wir dem 10,6 km langen Verlauf des „Nordig Walking Parkour“ folgen.

 

 

Weitere Info zu den verschieden langen Strecken, die wirklich gut beschildert sind, gibt es mit KLICK hier.

 

 

Die gewählte Strecke führt uns abwechselnd über gepflasterte oder mit Holzbohlen verlegte Wege, die sich Läufer und Radfahrer teilen müssen. Da lob ich mir Dreispurig um den Kemnader See!

 

 

 

Also Platz genug für getrennte Fahrbahnen wäre auf Borkum gewiss. Ich möchte mir auch nicht vorstellen wie es auf diesen Wegen im Hochsommer aussieht, aber das ist ein anderes Thema.

 

 

Irgendwann weist uns der Weg nach rechts und somit zum Inselinneren. Zwischen Feuchtwäldern und trockenen Dünen verläuft der Weg sehr abwechslungsreich und die Ruhe wird nur durch Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes unterbrochen.

 

 

Eine Weile später erreichen wir den Waldlehrpfad. Auf kleinen Schildern sind die verschiedenen Pflanzen erklärt und sorgen für Abwechslung während der Wanderung.

Hierher verirrt sich während unserer Wanderung kaum jemand und so haben wir diesen Pfad für uns alleine, herrlich entspannend.

 

 

Danach laufen wir ein oder zwei km parallel zur „Ostfriesenstraße“ als das unübersehbare Lidl Schild uns noch kurz an „Brot einkaufen“ erinnert.

 

 

Wir brechen den „Nordig Walking Parkour“ ab, stürzen  zielstrebig in den Laden, klemmen uns das Gewünschte „unter den Arm“ und lassen uns vom Handy querfeldein zum Campingplatz zurückführen.

Wir sind immer wieder auf´s Neue erstaunt wie die Gratis App uns über Schleichwege durch das Gelände führt. Und so sind es fast 20 km mit denen wir uns einen gemütlichen Grillabend und ein (zwei, drei…?) Bierchen doch mehr als verdient haben – oder etwa nicht?

 

Wir sitzen noch lange draußen und schauen den zahllosen Wildkaninchen zu die sich auf dem Gelände des Campingplatzes tollen.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Und was ist das bunte dort hinten? Zunächst kann ich es nicht richtig erkennen, da der Wasserturm ein wenig von den davorstehenden Gebäuden verdeckt wird.

„Kommst du noch mit zu dem Wasserturm? Das sieht ja echt toll aus!“ Und na klar kommt die beste aller Ehehälften mit.

Habt ihr ein wenig Geduld beim Betrachten des Wasserturmes gehabt? Ansonsten noch einmal ein wenig weiter nach oben und zuschauen… Von diesem Farbspiel nach Einbruch der Dunkelheit hatte ich in keinem Reiseführer gelesen – schade, denn ich finde es richtig toll!!

Der Farbwechsel erinnert uns ein wenig an die tolle Lichtershow, die all abendlich am Landschaftspark Duisburg den Hochofen und das umliegende Gelände in bunte Farben hüllt.

Die Geschichte des Wasserturmes ist auf folgender Seite nett beschrieben – Klickt euch gerne rüber.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Sonntagmorgen zieht es uns abermals in Richtung Leuchtturm, Zentrum, Promenade und ans Meer.

 

Wir bestaunen die wunderschönen Kirschblüten die sich Baum an Baum aneinanderreihen. Ein Traum in Rosa und wahrlich kitschigschön oder schön kitschig?

 

 

Vorbei am Rathaus stehen wir kurze Zeit später vor einem sehr ungewöhnlichen Zaun. Die morschen, weißen Stümpfe der Einfriedung sind nicht aus Holz, sondern aus Walknochen.

 

 

Kennt man Borkum heute fast nur noch als touristisches Reiseziel so waren es Borkums Männer, die zwischen den Jahren 1715 und 1783 die riesigen Meeressäuger jagten und so sehr bekannt wurden.

 

 

Die Borkumer Walfänger brachten von ihren Fangfahrten die Knochen der Wale mit nach Hause um sie zum Schutz ihrer Gärten gegen Wind und Sandverwehungen zu verwenden.

 

 

Unweit dieser sehr ungewöhnlichen Mauer steht der alte Leuchtturm.

 

 

Im Jahre 1879 wurde der alte Leuchtturm durch ein Feuer vernichtet und der Neue Leuchtturm wurde in Betrieb genommen.

Neben dem alten Turm befindet sich ein alter Friedhof mit einigen uralten Gräbern aus dem 18. und auch 19. Jahrhundert.

 

 

 

 

 

Ein paar Schritte weiter lädt das „Heimatmuseum „Dykhus“ zu einem Besuch ein. Während Frank draußen in der Sonne auf der Parkbank wartet schaue ich mich im Inneren um.

 

 

In der Akkermann-Halle zieht das große Strandrettungsboot meine Blicke auf sich und ich erfahre so einiges von der Inselgeschichte.

 

 

Mehrere Räume des Museums zeigen das Leben auf der Insel in früheren Zeiten und die Entwicklung der Insel vom Fischer- und Bauerndorf zum Seebad im Nordseeklima.

Aber hier fehlt es mir an der nötigen Ruhe und so finde ich mich kurze Zeit später (fast) im Inneren des Pottwal Skelettes.

 

 

Die Borkumer Männer zogen von 1715-1782 Jahr für Jahr aus und verdingten sich auf Schiffen. Oft waren sie monatelang unterwegs und nicht selten kamen nicht alle zurück.

Wer jedoch die Strapazen überlebte und den Kampf gegen die Wale gewann wurde mehr oder weniger „reich“.

 

 

In der Walfanghalle gibt es viel über den Bereich Walfang zu erfahren, aber das ist aus meiner Sicht eine Indoor Beschäftigung für einen „Schlechtwettertag“ und kein Zeitvertreib, wenn der Ehemann draußen in der Sonne wartet.

 

 

Auf dem Weg zum Strand kommen wir am Bahnhof vorbei und dort steht die Inselbahn in der Sonne als würde sie nur darauf warten fotografiert zu werden.

 

 

Die Inselbahn befördert seit 1888 Gäste und Waren vom Fähranleger ins Inseldorf.

In Betrieb genommen wurde die Eisenbahnlinie zwischen dem neuen Anleger Fischerbalje und der Ortsmitte von Borkum am 15. Juni 1888. Allerdings führte die Strecke 4 km durch das offene Watt, teilweise auf Pfahljochstrecken, und teilweise auf der alten Pferdebahnstrecke 4 km durch die Dünen.

 

 

Zu den Wahrzeichen Borkums gehören auch die von weither sichtbaren Kaapen (Baken), die in früherer Zeit Navigationshilfen waren. Sie waren früher aus Holz gebaut und damit leicht versetzbar.

 

Erst seit 1870 wurden sie aus Stein gebaut und heute besitzen die Kaapen nur noch symbolischen Wert.

An der Promenade angekommen mögen wir so gar nicht an die nahende Abfahrt denken – laden die Bilder nicht eindeutig zum Verweilen ein?

Uns konnte Borkum in seiner Vielfalt jedenfalls überzeugen und wir verstehen nach bereits drei Tagen die „Wiederholungstäter“ nur zu gut.

 

Am Nachmittag heißt es auch für uns leider Abschied nehmen und wir fahren zum Hafen.

 

 

Ein wenig unheimlich ist uns die Poleposition des Pössl schon. Auf der Fährfahrt von Dänemark nach Norwegen haben wir bzw. das Wohnmobil 2010 schon erfahren was es bedeutet so weit vorne auf der Fähre zu stehen.

 

 

Könnt ihr das Salz auf der Frontscheibe erkennen? Unten im Bild sind übrigens unsere stetigen Begleiter abgebildet. Elche aus Norwegen und Schweden, ein Esel mit Hosen von der Ile de Re, der St. Pauli Bär von Anja und Christian, Schutzengelbär und Zweiohrküken… und wo steckt schon wieder der Keinohrhase??? Frank, hast du ihn irgendwo gesehen?

 

 

In Eemshaven angekommen müssen wir erst einmal sämtliche Frontscheiben von der Salzschicht befreien… dürfen aber zur Entschädigung als erste von Bord.

 

 

Das wunderschöne Nordseewochenende lassen wir in Appingedam ausklingen. Nie gehört? Ging uns genauso!

Das Restaurant „Paviljoen Overdiep“ und das Essen dort können wir empfehlen und beim nächsten Mal schauen wir uns auch das Städtchen an und berichten, versprochen!

 

 

Am nächsten Wochenende treffen wir unsere lieben Freunde wieder einmal am Ijsselmeer. Liebe Grüße an dieser Stelle – wir freuen uns auf euch und ein paar schöne Stunden an Bord der „Sommerliebe“.

Ein Dankeschön für euer Interesse an diesem Reisebericht. Falls ihr noch mehr Aufnahmen dieser schönen Insel anschauen möchtet – mit einem KLICK geht es hier zur kompletten Bildergalerie.

Weitere ergänzende Informationen:

 

Weitere Berichte zur Karibikkreuzfahrt oder zu unseren Wohnmobilausflügen folgen in Kürze.

Schaut also wieder vorbei…

 

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

 

Ihr habt Fragen oder Anregungen, Kritik oder Korrekturen? Fein, ich freue mich über eure Post:

 

 

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