Blick auf Vernazza

DIE CINQUE TERRE, UNGEWOLLTE SCHWARZFAHRTEN UND HAPPY IN LA SPEZIA

Wir erzählen euch von unserer Wanderung zwischen den „Cinque Terre“ (fünf Dörfern), von nötigen und unnötigen Zugfahrten, unbeabsichtigten Schwarzfahrten und unserer Begeisterung für die Hafenstadt La Spezia. Ach, Italien ist sooo schön! Lasst euch inspirieren!

 

Pleiten, Pech und Pannen wäre eine doch etwas übertrieben negative Überschrift denn unterm Strich war es ein ganz und gar unvergesslich schöner Tag.

„Am besten wir kaufen uns das 2-Tage- Ticket der Cinque-Terre-Card. Damit können wir mit dem Zug zwischen den Dörfern hin und her fahren oder alternativ die Wanderwege benutzen. Es soll sogar Wifi geben!“ und erhalte ein „Hört sich gut an“ vom Ehemann zur Antwort.

Wie der ausmerksame Leser weiß sind wir am Vortag auf dem mitten im Wald liegenden ACSI Campingplatz in Deiva Marina angekommen.

Camping La Sfinge

Adresse: Località Gea, 19013 Deiva Marina SP, Italien

Nach einer fast schon unheimlich ruhigen Nacht fährt uns der kostenlose Shuttle um 9 Uhr zum Bahnhof nach Deiva Marina.

Dort angekommen kaufen wir uns für insgesamt 8,40 Euro zwei Streckentickets für die Zugfahrt von Deiva Marina bis La Spezia.

Der Fahrkartenautomat ist auf Touristen eingestellt, die große Schrift in verschiedenen Sprachen sei am Rande lobend erwähnt.

 

Während wir auf dem Bahnsteig auf den Zug warten spricht uns ein, mit Nordic Walking Stöcken bewaffnetes, Ehepaar an.

„Sie wollen auch zu den Cinque Terre?“ „Ja, darauf freuen wir uns schon seit Tagen. Gutes Wetter haben wir auch bestellt!“ antworte ich und füge noch hinzu, dass wir uns in La Spezia das 2-Tage-Ticket kaufen wollen.

Informationen zu den CINQUE TERRE TICKETS findet ihr MIT KLICK HIER!

„Ach, das brauchen sie doch gar nicht!“ erklärt uns die gute Dame fröhlich und fuchtelt mit ihren „Rennstöcken“ herum. „Außerhalb der Saison kostet das alles nichts, die Bahn nicht und auch der Wanderweg ist umsonst.

Sie können mit dem Ticket, was sie gerade gekauft haben, an den „Cinque Terre“ ein und aussteigen.

 

„Das ist ja toll!“ antworte ich begeistert und bedanke mich artig und fast überschwänglich für diesen tollen (Insider)Tipp. Sie fügt erklärend hinzu „Mein Vater ist Italiener, ich kenne mich hier aus…“

Der Zug kommt und wir verlieren das Wanderpaar direkt aus den Augen. Die Geschichte mit dem hilfsbereiten Ehepaar sollte jedoch noch nicht beendet sein.

 

Die Bahnverbindung Genua – La Spezia bedient die fünf Orte übrigens im Stundentakt. Auf unserer Fahrt nach La Spezia hält der Zug in Framura, Bonassola, Levanto, Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola, Riomaggiore und final in La Spezia.

Wir steigen direkt in Monterosso, dem ersten der fünf Dörfer, aus und Dank des „wertvollen Insidertipps“ kaufen wir uns kein 2-Tage-Ticket. Stattdessen laufen wir direkt los um uns den Ort anzuschauen.

 

CINQUE TERRE ODER AUCH DIE FÜNF DÖRFER/ERDEN

 

Bis in die 1870er-Jahre waren die Dörfer Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore nur per Boot erreichbar. Dann kam die Eisenbahn, die bis heute das beste Verkehrsmittel ist, um in die Cinque Terre zu gelangen.

Die Bewohner der ›fünf Erden‹ haben im Laufe der Jahrhunderte an den steilen Hängen Terrassen angelegt, auf denen sie Weinreben und Olivenbäume pflanzten.

 

So entstand ein Netz aus fast 7000 km Trockenmauern, die die Terrassen stützen.

Diese einmalige, aber sehr arbeitsintensive Landschaftsarchitektur war in den 1970er-Jahren vom Verfall bedroht, als immer mehr Bauern die Bewirtschaftung aufgaben.

 

Erst seit der Weinanbau staatlich gefördert wird, wurden viele der z.T. bereits verfallenen Terrassen reaktiviert.

Die Landschaft ist als Parco Nazionale delle Cinque Terre geschützt, die Benutzung der zahlreichen Wanderwege gebührenpflichtig.

 

MONTEROSSO – GRÖSSTER ORT DER CINQUE TERRE

 

Monterosso ist der Hauptort der Cinque Terre, der einzige mit Sandstrand und der Ort mit der größten touristischen Infrastruktur.

An den Hängen prangen zahlreiche elegante Villen, dazwischen führen schmale Gassen bergauf- und bergab. Laut Reiseführer geht es hier nicht nur ums Wandern, sondern auch um La Dolce Vita.

 

 

Das muss der Reiseführer uns nicht zweimal sagen. Auf die Frage „Erst einmal ein Cappuccino in der Sonne?“ gibt es nur eine Antwort: „Na klar!“

 

Nach dem Heißgetränk schauen wir uns den Stellplatz direkt am Meer an. „Möchtest du hier stehen?“ frage ich Frank und bekomme ein „Nicht, wenn wir stattdessen für 17 Euro die Nacht mitten im Wald auf dem ruhigen Campingplatz stehen können!“ zur Antwort.

Es ist eine häufig diskutierte Frage in den Wohnmobil Foren – Stellplatz, Campingplatz oder frei stehen? Man kann diese Frage nicht pauschal beantworten. Wir beantworten uns diese Frage Tag für Tag flexibel. Je nach Lust, Laune und Jahreszeit bzw. Gegend.

 

 

Wir schauen auf mittlerweile acht wundervolle Jahre im Wohnmobil und über 180.000 gefahrene Wohnmobil km zurück. In den ersten Jahren haben wir selten bis gar nicht auf Campingplätzen gestanden. Es gab stets reichlich freie Stellplätze und häufig sogar kostenlose.

Mittlerweile nutzt uns das lange Wochenende sprich Anreise schon am Donnerstagabend oder Freitagmorgen auch nicht mehr viel.

Ehe wir in unserer wertvollen Freizeit (vergeblich) von Stellplatz zu Stellplatz fahren um sie voll vorzufinden suchen wir etwas Passendes in unserem ACSI Campingplatzführer und buchen für 13, 15 oder 17 Euro incl. Strom und Dusche pro Nacht einen Platz.

Stress und Frustvermeidung sind uns diesen Preis wert. Zusätzlich genießen wir das Gefühl eine durch Hecken o.ä. getrennte großzügige Parzelle für 24 Stunden unser Eigen zu nennen.

Ein weiterer Vorteil ist aus unserer Sicht die Möglichkeit auf einem Campingplatz das Gelände verlassen zu können um am Abend den reservierten Platz wieder vorzufinden. Wie seht ihr das?

 

Vor gut 10 Jahren gab es, dies einmal zur Info, ca. 300.000 zugelassene Wohnmobile in Deutschland. Die Millionenmarke ist mittlerweile längst überschritten was einer unglaublichen Verdreifachung entspricht.

Im Jahr 2017 wurden bis September fast 60.000 Neufahrzeuge angemeldet, mehr als im gesamten Jahre 2016. Besser wird´s nicht!

Upppsss sorry ihr Lieben, völlig verquatscht, zurück nach Monterosso.

Vom Stellplatz aus “klettern” wir erst einmal auf den naheliegenden Berg um die Aussicht zu genießen. Die Sicht auf den Ort und den Strand sind auf jeden Fall schon einmal vielversprechend.

 

Entlang des breiten Sandstrandes laufen wir an der schönen Strandpromenade vom Ortsteil Fegina am Meer entlang zum nächsten Ortsteil, dem Zentrum des Ortes.

 

Monterosso gilt als eher „untypisch“ für die Cinque Terre, vor allem auch deswegen, weil es zwei Strände gibt.

In den anderen Dörfern kann das Meer, wenn überhaupt, nur über Felsen betreten werden. In der Hochsaison soll es hier sehr turbulent zugehen, davon merken wir am letzten Oktobertag erfreulicherweise (noch) nicht viel.

 

Ein letzter Blick auf Monterosso und wir starten um kurz nach elf bei strahlendem Sonnenschein unsere Wanderung in den nächsten Ort der Cinque Terre: VERNAZZA

 

VERNAZZA – EINE ODER DIE PERLE INNERHALB DER CINQUE TERRE?

 

Für Quereinsteiger, Frank und ich kommen aus dem flachen wie übersichtlichen Münsterland. Der Wanderweg zwischen Monterosso und Vernazza ist in etwa genau das Gegenteil.

Vom Marktplatz der Altstadt in Monterosso aus steigen wir in Richtung des Hotels Porto Roca an, von dem aus eine steile Treppe durch Zitronengärten führt.

 

Dies ist der eigentliche Ursprung des Blauen Wanderweges, der die Wanderer auf die Höhe führt. Steil bergauf und zwischendurch auch immer wieder bergab.

Einige Stufen erinnern mich prompt an die unförmigen Stufen der Chinesischen Mauer.

Und was ist das jetzt? Mitten auf der Strecke ein Kassenhäuschen? Tatsächlich! Wir dürfen unsere Wanderung nach Vernazza erst nach Zahlung von 7,50 Euro pro Person fortsetzen.

Tztztztztz,  soviel zum Insider Wissen des Ehepaares vom Bahnhof in Deiva Marina. Wir benötigen sehr wohl die Cinque Terre Card! Und es sollte noch besser kommen!

 


Von hier aus ist der Eselspfad durch ständiges Auf- und Absteigen zwischen Olivenhainen, Weinreben, Bachläufen, Steinhäusern und Terrassen gekennzeichnet.

 


Der Wanderweg ist zum Teil sehr eng und aufgrund von kleinen Erdrutschen, die hier von Zeit zu Zeit stattfinden, schlecht begehbar. Gutes Schuhwerk ist unbedingt zu empfehlen!

 


Weiter führt uns die Strecke durch eine Art gewellte Ebene, um dann langsam Richtung Meer abzusteigen.

Denkt man unterwegs die steilen Anstiege seien geschafft überrascht der Weg immer wieder einmal mit kurzen An- und Abstiegen.

 

Der Blick vom Wanderweg auf Vernazza verschlägt uns erst einmal die Sprache und wir halten mehrmals an um die Aussicht zu genießen.

Augenschmaus vom Feinsten und die Aussicht entspricht tatsächlich den unzähligen Bildern die wir vorher im Internet und im Reiseführer gesehen haben. Traumhaft schön!

Nachdem man Costa Linaro und Costa Mesorano, zwei kleinere Bergkämme und den örtlichen Friedhof hinter sich gelassen hat, landen wir schlussendlich im Zentrum von Vernazza.

 


Der Wanderweg entlang der Steilküste ist wahrlich ein Naturerlebnis und bietet einzigartige Panoramablicke.

Immer wieder fällt unser Blick auf´s glitzernde Meer und erinnert uns an einen Grönemeyer Lieblingssong…

 

 

Der Wanderweg gilt zu Recht als einer der schönsten Wanderwege der Cinque Terre. Das können und möchten wir bestätigen.

Wenn gleich – er ist anstrengend und eher für geübte Wanderer zu empfehlen.

 


Noch schöner wäre er zweifelsohne ohne unzählige andere Wandersleut, die uns laut schwatzend entgegenkommen.

Oder diejenigen, die schnaufend am (schmalsten) Wegesrand stehen bleiben um sich vom Aufstieg zu erholen und kaum Platz zum Vorbeilaufen freigeben.

Es gibt immer solche und Strolche… überall auf der Welt. Wie gefällt euch die Kaktee mit Smiley am Wegesrand? Anmerkung: Wir waren das nicht!

 


Auf gar keinen Fall möchte ich mir diese Wanderung in der Hochsaison vorstellen! Ich würde schreiend den “Ausgang” suchen und mich „vom Acker“ machen…
Neuestens wird die Möglichkeit einer Einschränkung der Besucher wegen der ständig steigenden Anzahl der Touristen im Park diskutiert. Aus unserer Sicht eine gute Überlegung.

 

VERNAZZA – DIE PERLE DER CINQUE TERRE

 

Vernazza entstand vermutlich vor etwa tausend Jahren, im frühen 11. Jh., als Militärhafen zum Schutz gegen Sarazenen Überfalle.

 


Als bester Ankerplatz und einziger natürlicher Hafen der Cinque Terre entwickelte sich Vernazza zum wichtigsten Ort der Gegend. Er war mit starken Mauern befestigt und die Bewohner verfügten über ein eigenes Kriegsschiff.

Der  Ortsname  VERNAZZA leitet sich vermutlich von dem örtlichen Wein, dem „Vernaccia“ ab. Vernaccia Wein gibt es zwar auch in Südtirol, der Toskana, der Lombardei und Sardinien jedoch existierte die  Weinbezeichnung früher als der Ortsname.

Wie dem auch sei, im 13. und 14. Jhdt. gehörte der Vernaccia aus den Cinque Terre zu den berühmtesten Weinen Europas. Er wurde u.a. nach England und Frankreich exportiert und galt als „Wein der Könige“.

 


Der Ort liegt auf einer kleinen Halbinsel. Die alten Burgtürme, der Felsenhintergrund und der schnuckelige, kleine Hafen bieten schon direkt beim Erreichen des Ortes Postkartenmotive.

Bei gefühlten dreißig Grad in der Sonne suchen wir uns erst einmal ein kühles Plätzchen im Schatten. Wir haben Duuuurrrssscht!

 


Leider weiß ich nicht (mehr) wie die “Kneipe” heißt, in der wir uns ein kühles Bierchen gönnen. Die Musik hat auf jeden Fall die richtige Lautstärke und ist voll nach unserem Geschmack.

Es fällt wirklich schwer sich wieder von hier fortzubewegen um die Wanderung durch den Ort fort zu setzen. Nun denn, wir sind hier „nicht zum Spaß“.

 

 

Wir laufen durch die schmalen Gassen von Vernazza und über uns flattert die Wäsche an und zwischen den Häusern. Typisch Südeuropa, ich liebe dieses Flair

Wieder im Hafen angelangt erreichen wir den tausendfach  fotografierten Treffpunkt an dem Einheimische, Touristen und Fischer die Sonne genießen. Welch herrlich Tag!

 


In der einzigen Hauptstraße und am Hafen spielt sich alles ab, hier finden sich Geschäfte, Bars und zahllose Restaurants.

Die 1318 erbaute Pfarrkirche S. Margherita und ihr schöner, vierzig Meter hoher Glockenturm überragt die Piazza. Der Glockenturm war ursprünglich im Mittelalter als Wachturm gebaut worden.

“Also wegen mir müssen wir heute nicht noch weitere Wege wandern.” stellt Frank um halb drei fest. “Ist ja kein Problem, wir können ja den Zug nehmen!” stelle ich fröhlich fest.

Gesagt und getan fahren wir um viertel vor drei von Vernazza weiter zum dritten der fünf Dörfer nach Corniglia.

 

CORNIGLIA – BERGDORF MIT FASZINIERENDEM PANORAMA

 

Corniglia ist die große Ausnahme unter den Siedlungen der Region, denn dieses Dorf liegt auf einem 190 m hohen Bergsporn und ist auch vom Bahnhof nur nach einem langen, steilen Treppenanstieg zu erreichen.

„380 Stufen!“ verkündet Frank als wir nach einem Weilchen die letzte Stufe geschafft haben. Die Aussicht entschädigt den steilen Aufstieg auf jeden Fall.

 

In dem urig gebliebenen Ort gibt es besonders viele Privatzimmer, gute Ausflugslokale und keine Hotels.

Das Dorf ist durch stimmungsvolle, typische Terrassenfelder umgeben auf denen seit ewigen Zeiten der typische weiße Wein angebaut wird.

 

Am Ortseingang befindet sich die große Pfarrkirche San Pietro aus dem 14. Jh.

 

Wir steigen auch hier über weitere Stufen bergauf. Die Aussicht von der Plattform hinter der Kirche ist zwar mit einem Gitternetz versperrt lohnt die steilen Stufen jedoch auf jeden Fall.

„Ach ist das schön hier!“ seufze ich an diesem Tag mehrmals. In diesen Flecken der Erde kann man sich durchaus Hals über Kopf verlieben.

 


„Können wir versuchen zum Sonnenuntergang wieder am Meer zu sein? Ein Gläschen Wein zum Sonnenuntergang wäre echt schön…“ frage ich Frank auf dem Weg durch die Gassen von Corniglia im „lieb-guck-Modus“. Wer kann dazu schon nein sagen? Die beste aller Ehehälften bestimmt nicht.

Und so steigen wir ein Weilchen später die 377 Stufen zum Bahnhof wieder hinab, was natürlich wesentlich leichter und schneller geht als auf dem Hinweg.

 


Mit dem Zug fahren wir kurze Zeit später zurück nach Monterosso, dem ersten Ort unseres Cinque Terre Tages. Wer aufmerksam gelesen hat weiß, dass es hier sogar zwei schöne Strände gibt.

Ich freue mich auf ein Glas „Wein zum Sonnenuntergang bei milden Temperaturen“ und bin entsprechend enttäuscht als wir in Monterosso angekommen feststellen, dass die Sonne hier nicht ins Meer fällt, sondern um kurz nach halb sechs bereits hinter dem Berg verschwunden ist. Ach menno… Solch ein Pech!

 


Wir gönnen uns alternativ ein unromantisches Bierchen im Ortsinneren. Sobald die Sonne sich verabschiedet wird es auch in Italien frisch.

Am Bahnhof haben wir uns die Abfahrtszeit des nächsten Zuges Richtung Heimat bereits herausgesucht, das Ticket bis Deiva Marina gekauft und schlendern bis zur Abfahrt durch das abendliche Monterosso. Hübsch ist es hier auch am Abend.

 


Um 18:30 Uhr fahren wir mit dem Zug Richtung Westen in der Meinung in Deiva Marina aussteigen zu können. Uns wundert zunächst der längere Stopp in Levanto.

Direkt danach wundern wir uns noch mehr über die Richtung, in die der Zug fährt. Schnurstraks fahren wir (ungewollt) nach Monterosso zurück. Da ist wohl etwas schief gelaufen… Also eher bei uns als bei der Bahn, vermuten wir.

Die (richtige!) Zugnummer und die Abfahrtszeit nach DEIVA MARINA werden in Monterooso anschließend auf der Anzeigetafel fotografiert und vom freundlichen Schaffner lassen wir uns beim Besteigen des nächsten Zuges die Richtigkeit bestätigen. Irgendwann will man ja an solch einem Tag auch einmal nach Hause!

Ja, dieser Zug bringt uns nach Deiva Marina! Kurz vor Erreichen des Zielortes möchte zum ersten Mal an diesem Tag ein Schaffner unsere Tickets sehen. Kein Thema, haben wir ja parat.

 

Mit Händen und Füßen und Unterstützung anderer Fahrgäste gibt uns der Schaffner zu verstehen, dass unser Ticket nicht (mehr) gültig ist. Um die Sache abzukürzen: Unsere Tickets hatten durch unser Hin- und Her die „Verfallzeit“ von 75 Minuten überschritten. Zack, 15 Euro zusätzlich!

Im Grunde sind wir noch gut davongekommen – die Fahrt innerhalb der CINQUE TERRE war natürlich nicht im Preis des normalen Tickets enthalten! Von wegen Insiderwissen!!

Und für die (unfreiwillige) Fahrt von Levanto zurück nach Monterosso hatten wir (woher auch??) ebenfalls kein Ticket…

Kann sich der Leser an dieser Stelle vorstellen wie froh wir abends sind endlich wieder am Pössl zu sein? Dagegen ist aus Versehen ohne Ticket in Hamburg auf der Fähre Linie 62 nur ein Klacks (Liebe Grüße ins Sauerland!)

Bei einem „Feierabendabschlussbierchen“ beschließen wir den kommenden Tag nicht in den 5 Dörfern zu verbringen. Drei von fünf Dörfern ist mehr als die Hälfte und reicht uns völlig. 

Im Laufe des Tages haben wir von anderen Mitreisenden zusätzlich erfahren, dass (ganz) Italien am 1. November Feiertag hat und an solchen Tagen gerne die Cinque Terre besucht. Das müssen wir auf gar keinen Fall erleben!

Im Reiseführer lese ich unter LA SPEZIA zwar vom „hässlichen Entlein der Riviera di Levante“, aber das will doch erst einmal überprüft werden – oder?
In die USA wolle ich ja auch nie und bin seit unserer Rundreise quasi ein Fan.

 

LA SPEZIA UND PORTO MIRABELLO

 

Ausschlafen, richtig ausschlafen steht zur Einstimmung für diesen Reisetag auf der TO DO Liste.

Es ist bereits nach zehn Uhr als wir am Bahnhof in Deiva Marina unsere Bahntickets erst kurz vor Einlaufen des Zuges entwerten. Ja ja, wir sind lernfähig!

 


Die Hafenstadt La Spezia liegt im östlichen Teil Liguriens an der Grenze zur Toskana und an einem tiefen Naturgolf, der ihr seinen Namen verdankt. 

La Spezia liegt auf einem engen Landstreifen und ist im Norden und Westen durch Berge und im Süden durch das Meer begrenzt. Eine größere Anzahl von Stadtteilen liegt auf den umliegenden Hügeln und die urbane Struktur ist daher relativ unregelmäßig.

 

Um 12 Uhr erreichen wir La Spezia. In der Touristen Information erhalten wir einen kostenlosen Stadtplan mit vielen Informationen.

Vom Bahnhof erreicht man das Stadtzentrum auf der Via Palocapa und über die Piazza Saint Bon. Diese Strecke ist reich an Jugenstilgebäuden. Alle wichtigen Punkte und Sehenswürdigkeiten sind durch gut sichtbare Hinweisschilder leicht zu finden. 

Die 2013 eingeweihte Thaon di Revel City Bridge liegt in der Verlängerung mit der Viale Diaz und verbindet die Altstadt mit dem nagelneuen PORTO MIRABELLO.

 

PORTO MIRABELLO – YACHTHAFEN DER SUPERLATIVE

 

Bei Porto Mirabello handelt es sich um eine künstliche Halbinsel von 40.000 Quadratmetern und einer Wasserfläche von 270.000 Quadratmetern. 

Hier finden nicht nur kleine und große Yachten Platz, sondern auch die sogenannten Superyachten von 40 bis 130 Meter Länge.

Ich sags euch, Augenschmaus vom Feinsten und reichlich viele “Wow, guck mal!” Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

 


Es gibt große Docks bis zu 35 Meter, 1.300 Parkplätze und zusätzliche 287 Parkplätze direkt vor den Liegeplätzen.

Selbst ein Hubschrauberlandeplatz ist vorhanden und weitere Superlative, die sehr schön auf der Homepage beschrieben sind – KLICKT MAL HIER!

 


Dieser Schiffsname fasziniert mich ungemeinen. Sollte ich je ein Boot oder Schiff besitzen soll es auch so heißen!! Frank notiere das bitte im “kleinen Handy”: ANYTHING GOES 888

Mensch was brauchst du mehr? MEER! Und so geht es uns auch. In der Sonne sitzend lassen wir uns den Cappuccino schmecken und studieren den Stadtplan. 

Nachdem wir noch einige Fotos von der wunderschönen Stadtbrücke und ihrer unverwechselbaren Silhouette eingefangen haben laufen wir an den Fischerbooten vorbei und albern an den riesigen Ankern auf der Kaimauer herum.

 

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Die Anker sind genau das Richtige für meine Ankersammlung und den #ankermittwoch bei Instagram. Ja, richtig gelesen… Mittwochs werden dort Ankerbilder gepostet! Montags Möwen, dienstags Fenster und Leuchttürme und viele andere Dinge mehr. Kann man toll finden, muss man nicht? Ja, stimmt!

Über die mit Palmen bepflanzten Promenade Passeggiata Costantino Morin und vorbei am Kreuzfahrtterminal erreichen wir das Rathaus und die Piazza Europa.

 

Am Ende der angrenzenden Piazza Bayreuth sieht man zwei Architekturbeispiele von 1928: das Regierungsgebäude (Palazzo del Governo) und gegenüber an der Via Vittorio Veneto den sogenannten “Wolkenkratzer” (Grattacielo).

An der nahen Piazza Giuseppe Verdi erheben sich die Studiengebäude (Palazzo degli Studi Umberto I) und das Postamt.

Uns begeistern sofort die in Bögen aufgestellten Spiegel, die auf der Rückseite gelb und blau glänzend lackiert sind und es dauert ein Weilchen bis wir uns von diesem schönen Flecken losreissen können.

Ein Hoch auf die Nachsaison und noch eines auf die Entscheidung uns heute nicht mit unzähligen Touris durch die Cinque Terre zu quetschen.

La Spezia ist für uns nach zwei Stunden Spaziergang schon eine Empfehlung wert. Von wegen hässliches Entlein, diese Passage im Reiseführer verstehen wir überhaupt nicht!

Vorbei an eleganten Villen und Paläste im Barockstil führen steile Treppen zum Kastell San Giorgio. Wir entscheiden uns jedoch für das alternative Fahrstuhlsystem, das über die Via Prione zugänglich ist.

Das schöne Wetter hält uns von einer Schlossbesichtigung ab und vorbei am Marinemuseum zieht es uns abermals nach Porto Mirabello. Es ist einfach schön dort!

Bei Bierchen und Aperol Spritz erwischen wir gerade noch rechtzeitig die letzten Sonnenstrahlen und stellen zurück in der Stadt fest, dass 17:45 Uhr nicht die ideale Uhrzeit ist um in Italien an einem Feiertag etwas Essbares zu finden. Da ist Geduld bis 19 Uhr gefragt.

Ob ihr es glaubt oder nicht, wir schaffen es heute ganz ohne Probleme mit dem Zug und dem anschließenden Shuttle den Campingplatz zu erreichen. Gute Nacht… Während wir uns erholen könnt ihr euch noch ein paar Bildchen von La Spezia anschauen.

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Donnerstag, 2. November und somit „time to say good bye Italy“ und mir ist schwer ums Herz.

Die Sonne, die milden Temperaturen und auch der unheimlich ruhige Campingplatz könnten mir auch weitere 14 Tage (und noch mehr) gefallen.

Die Heimat ruft denn wir müssen am kommenden Montag beide wieder arbeiten. Also geht es heute langsam und hoffentlich sicher Richtung Heimat.

Die Heimatadresse im Münsterland ist ins Navi eingegeben als wir Camping The Sphinx um halb zehn verlassen. 1089 km fast schnurstracks geradeaus Richtung Norden sollten bis Sonntag zu schaffen sein.

Und kommt mir jetzt bloß nicht mit “das geht auch an einem Tag!” Das ist nicht unser Reisetempo…

 

Die Aussicht auf den ersten Kilometern ist trotz Wolken wunderschön und ich WILL NICHT WEG HIER! Jede Möglichkeit die Heimreise zeitlich nach hinten zu schieben will genutzt werden.

„Fahr dort mal rechts raus, der Ort soll schön sein!“ rufe ich Frank nach weniger als 20 km Fahrt zu und nach einem wahnwitzigen Einparkmanöver, an das wir uns noch nach Jahren erinnern werden, schauen wir uns den verlassen wirkenden Ort Sestri Levante an.

 

SESTRI LEVANTE – SCHWEIGEN- UND MÄRCHENBUCHT

 

Zwei herrliche Buchten begrenzen die Halbinsel Isola di Sestri Levante: südöstlich die kleine ›Baia del Silenzio‹, die Bucht des Schweigens, nordwestlich die viel größere ›Baia delle Favole‹, die Bucht der Märchen, so getauft vom dänischen Dichter Hans Christian Andersen, der längere Zeit hier verbrachte.

Noch heute vergibt die Stadt alljährlich den Andersen-Preis für Märchenbücher.

Die Piazza Matteotti im Zentrum der Altstadt liegt an der schmalsten Stelle der Halbinsel. Ihr südliches Ende markiert die barocke Pfarrkirche Santa Maria di Nazareth.

Den Pössl rasant geparkt im Hafen laufen wir an der Märchenbucht bis zum Ende des Hafengeländes.

So, es reicht… ich muss diesen Reisebericht endlich zum Abschluss bringen. Wahrscheinlich schafft es kein einziger Leser bis zu dieser Stelle vorzudringen – oder? Der Text ist mittlerweile knapp 4000 Worte lang. Ich schreibe wie ich rede = viel zu viel!!

Der Text muss muss a) gekürzt und b) der Rest des Berichtes “verdichtet” werden.

Die Wolken auf den nachfolgenden Aufnahmen sollten uns an diesem Tag lediglich den Abschied ein wenig erleichtern, so meine Theorie. Ich hoffe die Bilder können dennoch vermitteln wie schön dieser Ort ist.

 

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Heimreise Kurzversion: Zack durch die Schweiz landen wir abends auf dem kostenlosen wie ruhigen Stellplatz in Weil (direkt) am Rhein.

Wohnmobilstellplatz in Weil am Rhein

Adresse: Parkplatz Am Stauwehr Rheinstr

79576 Weil am Rhein

Baden-Württemberg – Deutschland

 

Die Sonne strahlt am nächsten Morgen und schafft zum Mittag satte 23 Grad, als wir uns vom Dreiländereck (DE – CH – FR) und dem schönen Wetter kaum trennen mögen.

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Für 5 Euro parken wir am Freitagabend auf dem Stellplatz in Worms wieder einmal direkt am Rhein und gönnen uns ein „lecker Guinness im örtlichen Pub.

 

Reisemobilstellplatz am Rhein

 

Adresse: Kastanienallee, 67547 Worms

Worms ist ebenfalls eine Empfehlung wert und kommt auf die „Beim nächsten Mal mehr Zeit einplanen Liste“

Am Samstagabend feiern wir noch mit Freunden bis tief in die Nacht und erreichen Greven nach 10 Tagen Rundreise „Italienische Riviera“ mit 2491 km mehr auf dem Tacho.

Als nächstes werde ich den Reisebericht unserer Oktober-Italienreise (Como See usw.) vervollständigen und / oder meine weiteren Barcelona Erlebnisse in Wort und Bild verewigen. 

Schaut also wieder vorbei und denkt bis dahin wie immer daran:

ES GIBT NICHTS GUTES

AUSSER MAN TUT ES

Hauptsache glücklich und jede(r) wie er/sie mag

Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Korrekturen? Fein, nur her damit – ich freue mich über Mails und Kommentare – Formular am Seitenende!

6 Kommentare

  1. Liebe Petra, da hast du dir (wieder) sehr viel Zeit genommen und Mühe gegeben, wirklich ein sehr schöner Bericht! Toll, wie du es schaffst Fotos und Bericht immer so nahtlos miteinander zu verbinden – großes Lob!
    Und was ihr da für ein tolles Wetter erwischt habt!!!!
    Wir werden irgendwann in der Zukunft diese Reise einfach mal ‘nachfahren’, natürlich alle DEINE Tipps beachtend… 😉 Allerdings will ich dann nicht so schnell heim müssen; ich glaube, das fällt einem doch sehr schwer.
    Bin immer sehr gespannt, was ihr so neues Gutes tut!! 🙂
    Gruß Uschi/ Donnamattea

    1. Hey Uschi,
      es ist mir jedesmal eine riesige Freude deine anerkennenden Kommentare zu lesen Danke dafür! Und du darfst bereits gespannt auf die Fortsetzung sein – da fallen uns noch so einige sehenswerte Abstecher ein. Und vielleicht reisen wir im nächsten Frühjahr /Sommer auch mit mehr Zeit in diese schöne Gegend, es gibt noch so viel zu entdecken Schönen Sonntag noch
      Petra

  2. Dein toller Blog erinnert mich gleich wieder an unsere Reise. Wir haben das Wohnmobil in Levanto, unweit des Bahnhofs, geparkt und sind dann nach Monterosso al Mare eine Station mit dem Zug gefahren. Nach einem Rundgang durch den Ort haben wir uns dann auf den Weg nach Vernazza gemacht, immer an der Steilküste entlang. Eine traumhafte Gegend mit immer wieder neuen Perspektiven auf diese schöne Küste. Schade, dass es Menschen gibt, die viele große Kakteen und Gebäude mit Farbspray verunstalten müssen oder Teile abbrechen. Immerhin hat die ganze Region den Status eines Nationalparks und ist UNESCO Weltkulturerbe.
    Die anderen Orte, Corniglia, Manarola und Riomaggiore haben wir auf die nächste Reise vertagt. Die Cinque Terre sind mehr als eine Reise wert. Deine schönen Bilder motivieren richtig, mit der nächsten Reise nicht mehr so lange zu warten.

    1. Vielen lieben Dank Hanns Peter für deinen netten Kommentar. Es freut mich, wenn der Bericht dich motiviert bald wieder gen Italien aufzubrechen.
      Uns hat diese Region auch total begeistert und wir werden baldigst wieder dorthin aufbrechen – es gibt noch so viel zu entdecken.
      Liebe Grüße
      Petra

  3. Bei den vielen Super schönen Bildern bekomme ich direkt Lust loszufahren. Aber ich denke das Frühjahr
    wird eine gute Zeit für Cinque Terre sein, hoffentlich denken das nicht zu viele im Frühjahr, man kennt es ja
    aus Italien – im Sommer zu heiß, aber Frühjahr super – Bis dahin kann ich noch etwas überlegen, wann die
    beste Zeit sein wird. Herzliche Grüsse vom schreibteufelblog.

Besten Dank für deinen Kommentar und bis zum nächsten Mal...